Muti hofft auf Normalität bis zum Neujahrskonzert

Riccardo Muti hofft am 1. Jänner 2021 das Neujahrskonzert in Wien dirigieren zu können. „Es wäre schön, sagen zu können, dass alles wie früher zurückgekehrt ist und aufs Neue Jahr anzustoßen. Ich hoffe, dass wir zu einem normalen Leben zurückfinden“, sagte Muti im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“. Der Dirigent verbringt die Heimisolierung in seinem Haus in Ravenna.

Muti wehrt sich gegen die Aussicht einer Wiedereröffnung von Theatern mit starker Distanzierung unter den Zuschauern. „Das wären Konzerte für wenige Privilegierte. Dann sind Konzerte im Streaming besser“, sagte der 78-jährige Maestro. Er mache sich Sorgen um die vielen Musiker, die wegen des Lockdowns nicht arbeiten können. „Ich denke an die Musiker meines Jugendorchesters ́Luigi Cherubini ́. Die Theater sind geschlossen, und sie verdienen keinen Euro. Trotz allem haben sie den Mut und den Willen gefunden, per Internet Musik von ihren Wohnungen aus zu machen“, erklärte Muti.

„Ich fühle mich wie ein Mensch im Käfig, ein Mensch unter Hausarrest sowie wir alle. Mit meiner Frau Cristina halten wir uns strikt an die Vorschriften“, so Muti. „In meinem langen Leben hätte ich mir so etwas nie vorstellen können. Wir leben in einem Science-Fiction-Film“, sagte der Dirigent. Die Zeit vertreibt sich Muti am Klavier. „Ich verbringe viele Stunden mit Beethovens ́Missa Solemnis ́, mit der ich im September die Saison in Chicago eröffnen sollte“, erklärte der Dirigent.

Die Coronavirus-Krise werde zu tief greifenden Änderungen führen. „Ich weiß nicht, ob wir aus dieser Krise besser hervorgehen werden. Ich denke nicht an die Zukunft, sondern an die Gegenwart. Wir brauchen Lösungen, damit arme Menschen überleben können. Ich halte Politiker nicht aus, die predigen und Illusionen verkaufen“, sagte Muti.


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