Fritz Dinkhauser wird 80: „Es braucht einen Tiroler Marshallplan“

Mächtiger Arbeiterkammer-Boss, rebellischer Parteigründer, umtriebiger Polit-Pensionist: Fritz Dinkhauser feiert heute seinen 80er. Der Jubilar warnt vor einer „Viren-Demokratie“ und fordert auch im Tourismus radikales Umdenken.

Fritz Dinkhauser feiert heute seinen 80. Geburtstag. Seine Liste Fritz übergab er erst im Dezember 2018.
© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die geplante Andalusienreise zum Runden ist dem Corona-Virus zum Opfer gefallen. Und so will Fritz Dinkhauser seinen 80. Geburtstag heute mit Gattin Heidi und seinem T1-Bully in Walchsee feiern. Die Polit-Pension hat Dinkhauser erst vor eineinhalb Jahren angetreten. Damals, als er Andre­a Haselwanter-Schneider im Dezember 2018 sein politisches Kind übertrug – die List­e Fritz. Sie und Markus Sint würden sich „sensationell schlagen“, urteilt Dinkhauser. Trotz aller Vorwürfe der Polit-Konkurrenz im Landtag, die Liste Fritz würde in ihrer Kritik vieles überzeichnen. Das Poltern gegen die herrschende Obrigkeit ist Dinkhauser alles andere als fremd. Und um markige Sprüche war der langjährige Präsident der Arbeiterkammer Tirol ohnedies nie verlegen. „Aussi aus de Staudn“ – ein Ausspruch, der zum Markenzeichen wurde.

Mit den jüngsten Einschränkungen der persönlichen Freiheiten kann sich Dinkhausers Naturell wenig überraschend nicht anfreunden: „Ich komme damit nicht zurecht. Die Selbstbestimmung eines Menschen ist wichtig.“ Die unterschwellige Angstmacherei mit ständigen Verweisen auf Todeszahlen und Infektionstabellen beschwöre Angstzustände herauf, unter denen sich die Leute vieles gefallen ließen, was ansonsten kaum vorstellbar wäre. Dinkhauser warnt vor diesem Prinzip des „Hände faltn, Goschn haltn“, welches einst der ÖVP gegen interne Kritik zugeschrieben wurde. Auch in Krisenzeiten brauche es „das richtige Maß“, so Dinkhauser mit Blickrichtung Schwarz-Grün im Bund: „Auch der Einzelne hat eine Verantwortung.“

Frau Heidi war und ist Fritz Dinkhauser stets eine große Stütze.
© Thomas Murauer

Tirol hat Fehler im Corona-Krisenmanagement gemacht. Das sieht auch Dinkhauser so: „Da waren viele überfordert.“ Der Druck insbesondere aus dem Tourismus heraus sei sehr groß gewesen, mutmaßt der Jubilar. Da habe sich auch Landeshauptmann Günther Platter „sehr schwer getan“. Aufklärung und Aufarbeitung der Causa seien deshalb unumgänglich. Jedoch gelte es auch hier, „die Kuh im Stall zu lassen“. Dinkhauser warnt davor, sich jetzt tirolintern zu zerfleischen. Der internationale Schaden sei ohnedies bereits angerichtet. Jetzt gehe es um die Marke und das Image Tirols: „Davon leben wir. Wir müssen uns aber auch gegen diejenigen wehren, die meinen, Tirol gehöre ihnen. Wir brauchen keine weitere ,Verschultzung und Verhörlung‘ des Landes.“ Und meint damit Liftkaiser Heinz Schultz sowie Seilbahnsprecher und Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl. Es müsse Aufgabe der Politik sein, einen Tourismus in Maßen zu etablieren.

Umso mehr benötige es jetzt einen politischen Schulterschluss und einen „Tiroler Marshallplan“, fordert Dinkhauser über das Finanzielle zur Bewältigung der Coronakrise hinaus endlich „eine gemeinsame Vision“ einer Zukunftsstrategie für Tirol ein: „Wieso nehmen wir nicht Coron­a zum Anlass für radikale Änderungen? Wir müssen uns neu aufstellen.“ Dazu gehörten die Eckpfeiler „Soziale Gerechtigkeit“ und „Klima“. Letzteres sei durch das Virus völlig in den Hintergrund gedrängt: „Das ist die Tragik.“ So plädiert Dinkhauser für die Einrichtung eines alpinen Klima-Lehrstuhls an der Universität Innsbruck. Und für die Installation von Bürger­räten, um das Volk wieder mehr einzubinden: „Alle fünf Jahre wählen zu gehen ist zu wenig.“

50 Jahre in der Politik haben Dinkhauser geprägt. Vieles von dem, was er angegangen habe, sei ein schmaler Grat zwischen „Hosanna und Harakiri“ gewesen. Auch, weil der einstige ÖVP-Mann auch als AK-Boss mit Kritik an seinen eigenen Parteifreunden nie hinterm Berg hielt. Fehler habe er einige gemacht, sein größter sei wohl die Nationalratswahlkandidatur 2008 gewesen: „Da habe ich viele Leute enttäuscht.“

„Den Motor kann man nicht einfach abstellen“, sagt der Pensionist Dinkhauser. Am Polit-Leben nimmt er immer noch Anteil – und sei es nur durch die Lektüre seiner täglich sechs Zeitungen.

Steckbrief

Fritz Dinkhauser wurde am 16. April 1940 in Innsbruck geboren. Zusammen mit seiner Frau Heidi hat er fünf Kinder. Als Bobfahrer im Eiskanal nahm er an Olympischen Winterspielen teil. 1971 wurde er Landessekretär des AAB, 1979 Kammerrat der AK Tirol. 1985 stieg er zum Vizepräsidenten auf, den Sprung auf den Präsidentensessel schaffte Dinkhauser 1991.

Dort verblieb er auch bis 2008, als er schließlich die Liste Fritz gründete. Diese schaffte bei der Landtagswahl 2008 knapp 18 Prozent und schadete so der ÖVP. Die Liste stürzte jedoch 2013 auf 5,6 Prozent ab. 2018 legte Dinkhauser die Obmannschaft der Liste Fritz zurück.


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