Defereggental: Geologen im Dauereinsatz und Isolation der anderen Art

St. Veit und St. Jakob im Defereggental sind derzeit nicht über die Straße erreichbar. Nach einer Hangrutschung wurde auch die Landecker Straße gesperrt.

Rund 100 Kubikmeter Felsgestein und Geröll sind im Defereggental ausgebrochen und in die Schwarzach gestürzt.
© Landesgeologie/Außerlechner

St. Veit, St. Jakob i. Def., Fließ, Landeck - Abgesperrt. Und das jedenfalls bis zum 23. April. Die beiden Gemeinden Osttiroler Gemeinde St. Veit und St. Jakob sind nach einem Felssturz auf dem Straßenweg nicht erreichbar - eine Quarantäne der anderen Art. Der Landesgeologe Roman Außerlechner nannte klimabedingte Faktoren als Ursache für den Felssturz von geschätzten 100 Kubikmetern Gestein.

Auch die Stromversorgung für die beiden Deferegger Gemeinden musste am Mittwoch aus Sicherheitsgründen für einige Stunden unterbrochen werden. Die an dieser Engstelle neben der Straße verlaufende 25-kV-Erdleitung war durch die Schwarzach nämlich freigespült, jedoch nicht beschädigt worden. "Wir arbeiten an der Herstellung eines Notweges über neue Forststraßen", erklärte der St. Veiter Bürgermeister Vitus Monitzer gestern auf Anfrage der TT.

Auch diese Arbeiten würden eine Woche in Anspruch nehmen. Monitzers Amtskollege Ingo Hafele aus St. Jakob sagte, dass die Vorräte im einzigen Lebensmittelgeschäft für einige Tage ausreichen. Eventuell müsste man dann per Hubschrauber nachliefern. Ein Mediziner des Notarztverbandes ist vor Ort. Patienten wurden bereits ausgeflogen.

Auch Landecker Straße nach Hangrutschung betroffen

Alarmiert durch Risse in einer Hangmauer haben Landesgeologen vorgestern Abend auch die Landecker Straße (L76) zwischen der Fließer Au und der Auffahrt zum Weiler Eichholz sperren lassen. "Es hat den Asphalt regelrecht aufgeworfen", berichtet Johannes Monz vom Baubezirksamt Imst.

Grund: Ein 50 Meter langer Hang hatte sich in Bewegung gesetzt und drückte auf die Mauer. "Es ist eine sehr alte Rutschung. Im Zuge der Winterniederschläge und der Schneeschmelze hat sich zusätzlich Druck aufgebaut", erläutert Werner Thöny von der Landesgeologie. Gestern gab es eine weitere Begehung. Am Abend konnte die Straße einspurig freigegeben werden. In den kommenden Tagen will man mehrere 100 Kubikmeter Material aus dem Hang abbaggern, um ihn zu entlasten.

Die L76 war in den letzten Jahren wiederholt auffällig. Wegen mehrerer Steinschlag­ereignisse hat das Land die Schlossgalerie geplant, die allerdings ein paar hundert Meter vor der Rutschung endet. Die Vorarbeiten für ihren Bau haben bereits begonnen. Sie macht ab Mai eine weitere Totalsperre nötig. Man will am 27. April mit der ersten Phase der Arbeiten anfangen, erklärt Siggi Geiger von der Bezirkshauptmannschaft Landeck.

Ab 11. Mai soll die Strecke dann aufgrund der Sprengarbeiten komplett gesperrt werden. Zwischen zehn und zwölf Wochen müsse der Verkehr über den Landecker Tunnel ausweichen. "Ich gehe davon aus, dass wir zu den Terminen starten können", so Geiger, der derzeit das abschließende sicherheitspolizeiliche Bewilligungsverfahren abwickelt. (bcp, mr)


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