Pleitewelle spätestens im Herbst: „Shutdown“ zwang Firmen in die Knie

Zwei Drittel der Firmen brauchen Rettungshilfen. Insolvente Firmen müssen zusperren, statt saniert zu werden. Pleitewelle droht ab Herbst.

Viele Unternehmen kommen nicht mehr lange mit ihren Geldreserven aus. Im Herbst wird laut Experten eine Pleitewelle anrollen.
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Wien, Innsbruck – Dass Österreichs Regierung als Maßnahme gegen die Corona-Ausbreitung wochenlang fast die komplette Wirtschaft heruntergefahren hat, wird für viele Unternehmen zur Existenzfrage. „Ein Monat nach dem vorübergehenden ,Shutdown‘ durch die Bundesregierung zeigt sich eine dramatische Verschlechterung der finanziellen Stabilität innerhalb der heimischen Wirtschaft“, schlägt der Gläubigerschutzverband KSV Alarm. Vielen Unternehmen geht bald das Geld aus.

Es zeigt sich eine dramatische Verschlechterung der finanziellen Stabilität in der heimischen Wirtschaft.
KSV von 1870

In einer Umfrage gaben laut KSV 14 Prozent der Unternehmen an, dass die finanziellen Rücklagen in maximal vier Wochen aufgebraucht sind. Bei 30 Prozent der Firmen reicht das Geld noch maximal drei Monate. In etwas mehr als 5 Prozent der Fälle seien es sogar nur noch maximal zwei Wochen. „Besonders gravierend stellt sich die Situation bei 4 Prozent der österreichischen Betriebe dar, wo sämtliche finanziellen Mittel bereits aufgebraucht sind.“ Nur 14 Prozent der heimischen Unternehmen erwarten laut KSV aus heutiger Sicht langfristig keine Probleme.

„Es verwundert daher nicht, dass bis jetzt 61 Prozent der befragten Unternehmen um finanzielle Hilfe aus dem Rettungsschirm angesucht haben bzw. planen, das noch zu machen“, führen die Gläubigerschützer aus. Während vor einigen Wochen noch 63 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage mit sehr gut bzw. gut bewertet haben, seien es jetzt gerade einmal 31 Prozent, davon lediglich 9 Prozent mit sehr gut. Infolgedessen können auch nur noch knapp 13 Prozent der ursprünglich für 2020 geplanten Investitionen in vollem Umfang umgesetzt werden.

Der Gläubigerschutzverband AKV wiederum erwartet eine Insolvenzwelle ab Herbst 2020. Denn die staatlich gesetzten Maßnahmen im Zuge der Corona-Krise verschieben zahlreiche Insolvenzanträge um einige Monate in die Zukunft – etwa weil viele Insolvenzanträge ausgesetzt wurden und der Gerichtsbetrieb eingeschränkt ist. Der dann folgende Anstieg könnte noch größer ausfallen als nach der Finanzkrise 2008, so der AKV. Dass das Corona-Kurzarbeitsmodell im Insolvenzfall – also auch bei Sanierungen – nicht zur Verfügung steht, verschärft die Situation. „Es ist daher mit einer Vielzahl an scheiternden Sanierungen zu rechnen“, befürchtet der AKV.

Wir befürchten ab Frühherbst einen über der damaligen Finanzkrise liegenden Anstieg von Insolvenzen.
AKV

Wegen der gesetzlich verordneten Insolvenzbremse gab es seit den Corona-Maßnahmen Mitte März entsprechend weniger Firmen- sowie Privatinsolvenzen als noch vor einem Jahr. Die Zahl der Firmeninsolvenzen ging seit dem 16. März um mehr als 60 Prozent zurück. Mehr als ein Viertel dieser Betriebe gab als Insolvenzgrund die Anti-Corona-Maßnahmen der Regierung an. 383 Dienstnehmer seien bisher von Corona-bedingten Insolvenzen betroffen. Von den in den vergangenen vier Wochen wegen der Corona-Krise eröffneten Verfahren wurde bereits ein Drittel der Unternehmen geschlossen und 266 Arbeitnehmer verloren deswegen ihren Arbeitsplatz.

Auswirkungen haben die Corona-Maßnahmen auch auf die Privatpleiten. „Mehr als 100.000 Personen waren bereits vor der Krise überschuldet und die steigende Arbeitslosenquote wird zu längeren Wartezeiten bei Beratungsstellen und Gerichten führen“, so der AKV. (mas)


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