Südkoreas Regierungspartei holt absolute Mehrheit

Beflügelt durch ihr gutes Krisenmanagement in der Corona-Krise hat Südkoreas Regierungspartei einen haushohen Sieg eingefahren: Die linksgerichtete Demokratische Partei von Präsident Moon Jae-in eroberte bei der Parlamentswahl die absolute Mehrheit. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Endergebnis gewann sie mit ihrer Schwesterpartei 180 der 300 Sitze in der südkoreanischen Nationalversammlung.

Die konservative Oppositionspartei UFP (Vereinte Zukunftspartei) und ihre Verbündeten kamen auf 103 Sitze. Bisher war Moons Demokratische Partei zwar stärkste Kraft im Parlament, hatte aber nicht die absolute Mehrheit. Die relativ schnelle Reaktion auf die Corona-Krise und deren erfolgreiche Eindämmung verschafften Moon und seiner Partei in den Wochen vor der Wahl erheblichen Aufwind. Das Votum galt vielerorts als Referendum über den Umgang mit der Pandemie. Die Wahlbeteiligung betrug 66,2 Prozent und war so hoch wie zuletzt vor 28 Jahren.

Noch vor wenigen Monaten stand Staatschef Moon massiv in der Kritik - wegen geringen Wirtschaftswachstums, Skandalen um Machtmissbrauch sowie seiner gemäßigten Haltung im Konflikt mit dem Nachbarn Nordkorea. Moon erklärte nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, sein Gefühl der Verantwortung sei größer als das der Freude. Sein Präsidentenamt hatte zwar nicht zur Wahl gestanden. Durch die absolute Mehrheit seiner Partei ist er jedoch in einer stärkeren Position als frühere Präsidenten in der zweiten Hälfte ihres fünfjährigen Mandats.

Unter den neuen Parlamentsabgeordneten ist auch ein ehemaliger nordkoreanischer Diplomat. Thae Yong-ho gewann als erster Überläufer aus dem Nachbarland ein Direktmandat. Als Kandidat der UFP erhielt er im Wahlbezirk Gangnam 58,4 Prozent der Stimmen. Das wohlhabende Viertel der Hauptstadt Seoul wurde mit dem Hit „Gangnam Style“ des südkoreanischen Rappers Psy weltberühmt.

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Thae vergoss eine Träne, als er nach Verkündung seines Wahlergebnisses die südkoreanische Nationalhymne sang. „Heute ist ein sehr historischer Tag nicht nur für mich, sondern auch für die koreanische Geschichte“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Auch der aus Nordkorea geflohene Ji Seong-ho gewann für die UFP einen Sitz im Parlament, allerdings wurde der Menschenrechtsaktivist nicht direkt gewählt. Südkoreas Wahlsystem ist eine Mischung aus Mehrheitswahl und Verhältniswahl.

Die Südkoreaner hatten am Mittwoch unter massiven Sicherheitsvorkehrungen gewählt. Knapp 44 Millionen Wähler waren zur Parlamentswahl aufgerufen. Die Behörden hatten die Wähler aufgerufen, neben Atemschutzmasken auch Gummihandschuhe zu tragen sowie mindestens einen Meter Abstand zu anderen Wählern zu halten.

Vor allen Wahllokalen gab es Fiebermessungen. Bei erhöhter Temperatur wurden die Wähler zu speziellen Kabinen gebracht, die danach desinfiziert wurden. Unter Quarantäne stehende Wähler durften unmittelbar nach der offiziellen Schließung der Wahllokale in speziellen Wahlzellen wählen.

Südkorea war als eines der ersten Länder von der Corona-Pandemie betroffen, zeitweise gab es in dem Land die meisten Infektionen nach China. Inzwischen ist das Virus in dem Land dank umfangreicher Tests und des konsequenten Aufspürens und Isolierens von Kontaktpersonen deutlich eingedämmt. Seit knapp einer Woche wurden in Südkorea täglich nie mehr als 40 Neuinfektionen mit dem Erreger Sars-Cov-2 gemeldet. Insgesamt wurden in Südkorea bisher knapp 11.000 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet, 225 Menschen starben.


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