Masern, Röteln, Mumps und Co: Coronakrise bremst die Impfmoral

Experten warnen vor einem Rückschlag im Kampf gegen Infektionskrankheiten wie Masern.

Symbolfoto.
© dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Geschlossene Arztpraxen, Hürden bei der Terminvergabe oder wie in anderen Ländern der Welt ausgesetzte Impfkampagnen – im Schatten der Corona-Krise drohen sich weltweit massive Lücken im Kampf gegen Masern, Röteln, Mumps und Co. aufzutun. So könnten nach Ansicht der Masern-und Röteln-Initiative mehr als 117 Millionen Kinder in 37 Ländern eine Impfung gegen die hochansteckende Infektionskrankheit verpassen. Laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es 2018 weltweit 9,8 Millionen Masernfälle, mehr als 140.000 Menschen sind an den Masern gestorben.

Peter Kreidl, Experte für Public Health der Medizin-Uni Innsbruck, warnt daher anlässlich der europäischen Impfwoche (20. bis 26. April) vor einem Anstieg von Krankheiten, die durch Impfung vermeidbar gewesen wären. Dazu würden neben Masern und Röteln auch Keuchhusten oder die durch Pneumokokken ausgelöste Lungenentzündung zählen. „Die WHO hat bereits am 20. März 2020 in einer Richtlinie auf die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung von Impfprogrammen auch während der Covid-19-Pandemie hingewiesen“, sagt Kreidl. Sein Kollege Reinhard Würzner, ebenfalls vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie, betont, dass die Grundimmunisierung im Säuglingsalter mit dem 6-fach-Impfstoff und dem Pneumokokken-Impfstoff sowie die erste Masern/Mumps/Röteln-Impfung weiterhin mit hoher Priorität durchgeführt werden sollten.

Auch die Landessanitätsdirektion Tirol weist darauf hin, dass die im österreichischen Impfplan vorgesehenen Impfungen stattfinden sollten. „Grundsätzlich gilt, dass alle empfohlenen Impfungen das Ziel haben, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern“, sagt Impfexpertin Anita Luckner-Hornischer. Der Impfplan sieht vor, dass empfohlene Impfabstände bestmöglich eingehalten werden – kurzfristige Verschiebungen beeinflussen laut Luckner-Hornischer den Immunaufbau nicht.

Unter Einhaltung der derzeit empfohlenen Hygienemaßnahmen und -vorgaben des jeweils impfenden Arztes können und sollen daher auch die Grundimmunisierungen im Säuglings- und Kleinkindesalter durchgeführt werden. Anstehende Auffrisch-Impfungen sind weiterhin unter Beibehaltung der empfohlenen Hygienemaßnahmen durchführbar. „Auch Zeckenimpfungen können unter Einhaltung der entsprechenden Empfehlungen bzw. Schutzmaßnahmen durchgeführt werden“, betont Anita Luckner-Hornischer.


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