Fatale Verwechslung in Innsbruck: Handy wies Forscher als Dealer aus

Eine Verwechslung stempelte einen Wissenschafter in Innsbruck zum Verbrecher. Das stellte sein bisheriges Leben auf den Kopf.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Ein bislang völlig unbescholtener Wissenschafter führte bislang in Innsbruck ein unaufgeregtes Leben. Bis der Mann eines Tages an seiner Wohnungstüre Einbruchsspuren festgestellt hatte. Als die Spurensicherung eingetroffen war, öffnete der Nachbar des Forschers jedoch die Türe und klärte darüber auf, dass die vermeintlichen Einbrecher wohl eher Polizisten waren. Für alle Anwesenden verwunderlich: befand sich doch an der Türe weder ein Klebeband, eine Karte oder wurde der Betroffene sonstwie von dem „Hausbesuch“ informiert. „Nach Anzeige bei der Polizei erfuhr mein Mandant dann dort erst einmal, dass diese storniert worden sei.

Auf der Polizeiinspektion wurde dem Anzeiger darauf dann ein Zettel mit der Durchwahl und dem Namen eines Polizeibeamten überreicht. Als der Mandant den Polizisten schließlich erreicht hatte, erfuhr er zum ersten Mal, dass er Beschuldigter in einem Strafverfahren sei und nun vorbeikommen müsse“, skizzierte Strafverteidiger Friedrich Hohenauer die Amtsbehandlung des Forschers durch die Polizei.

Auf der Polizeistelle fiel dieser dann aus allen Wolken. Nach erkennungsdienstlicher Behandlung erfuhr der Innsbrucker, dass er im Verdacht des Cannabishandels stehe. Fast 1,3 Kilogramm sollte der Verdächtige in 31 Monaten verkauft haben.

Grund: In einem Prozess war aufgekommen, dass das Handy eines Amtsbekannten den Forscher als Abnehmer aufgelistet hatte. Kontakt zum wirklichen Dealer könnte es laut Anwalt Hohenauer über ein Online-Spiel tatsächlich gegeben haben. Darauf muss der Name des Forschers in das Adressbuch des bereits Verurteilten gekommen sein. Dieser hatte dann übrigens auch im Suchtgiftprozess gegen den Wissenschafter als Zeuge vor Strafrichterin Helga Moser klargestellt, dass der ehemalige Spielpartner mit den Drogengeschäften nichts zu tun gehabt hatte.

TT-ePaper testen und eine von drei Gasser Tourenrodeln gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die TT verlost drei Gasser Tourenrodeln und 50 Thermosflaschen

Der Wissenschafter wurde rechtskräftig freigesprochen und ist umgezogen. „Bedenklich finde ich hier, dass der Mandant weder über Hausdurchsuchung noch Tatverdacht in Kenntnis gesetzt worden war“, so Anwalt Friedrich Hohenauer. Er beantragt nun die Löschung aller erkennungsdienstlichen Daten.


Schlagworte