Spritpreis geht nur langsam nach unten

Der hohe Steueranteil an den Kraftstoffen lässt die Spritpreise nur sehr langsam sinken. Angespannte Situation für Tankstellen.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Wien – Der Preis der für den österreichischen Markt relevanten Nordsee-Rohölsorte Brent ist seit Jahresbeginn um rund 75 Prozent abgestürzt und lag zuletzt bei 16,33 Dollar (15,04 Euro). Die Preise an den Zapfsäulen sind jedoch bei Weitem nicht so stark gefallen wie der Ölpreis.

Der Liter Diesel kostete zuletzt im Schnitt 1,026 Euro, also um rund 16 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Für einen Liter Super Plus muss man derzeit durchschnittlich 1,202 Euro bezahlen, hier betrug der Preisrückgang im gleichen Zeitraum rund 13 Prozent.

Diese Diskrepanz bei der Entwicklung der Öl- und Treibstoffpreise sorgt bei den Autofahrerklubs immer wieder für Empörung, sei aber nicht zu ändern, sagt Christoph Capek, Geschäftsführer des österreichischen Fachverbands der Mineralölindustrie (FVMI). Unabhängig von Corona fließe eine Veränderung beim Ölpreis nur zu einem Viertel in die Treibstoffpreise ein.

Schuld daran sei vor allem der hohe Steueranteil von etwa 64 Prozent bei Super und 57 Prozent bei Diesel. Dieser Anteil sei nicht immer gleich, da die Mineralölsteuer (MÖSt) ein fixer Betrag sei – derzeit 39,7 Cent pro Liter Diesel und 48,2 Cent pro Liter Superbenzin. „Und auf das Ganze kommt noch die Umsatzsteuer drauf“, so Capek. Das führe dazu, dass der Steueranteil umso höher werde, je weniger der Treibstoff selbst koste. „Selbst wenn das Produkt nichts mehr kostet, müsste man noch immer 58 Cent für Benzin und 48 Cent für Diesel verlangen“, rechnete Capek als Extrembeispiel vor.

Die Situation sei für die Tankstellen sehr angespannt. Belastet würden die Mineralölfirmen außerdem auch durch den starken Rückgang des Kerosinverbrauchs. Noch im Vorjahr hat sich die Anzahl der öffentlich zugänglichen Tankstellen in Österreich von 2699 auf 2733 leicht erhöht. Heuer könnte sich die Zahl aber wieder verringern. Weil derzeit wegen der Corona-bedingten Verkehrseinschränkungen deutlich weniger Autofahrer unterwegs sind, ist auch die Nachfrage nach Sprit deutlich zurückgegangen. Zudem ist der Urlauberverkehr weggefallen. Erste Tankstellen haben bereits Insolvenz angemeldet. (APA, TT)

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