Wehrmachtsdeserteur Richard Wadani gestorben

Richard Wadani, Wehrmachtsdeserteur und Ehrenobmann des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“, ist in der Nacht auf Sonntag im Alter von 97 Jahren gestorben. Das teilte das Komitee in einer Aussendung mit. „Er hat die Republik verändert“, sagte Thomas Geldmacher, Obmann des Personenkomitees im Gedenken an Wadani.

„Seinem unermüdlichen jahrzehntelangen Einsatz haben wir es zu verdanken, dass die Deserteure der Wehrmacht und alle anderen Opfer der NS-Militärjustiz heute juristisch rehabilitiert sind, und ohne ihn stünde heute mit großer Sicherheit kein Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz auf dem Ballhausplatz“, zeigte dich der Obmann dankbar und lobte den Verstorbenen: „Richard Wadani war ein politischer Mensch im besten Sinn.“

Geboren wurde Wadani am 11. Oktober 1922 in Prag. Ende 1938 musste die Familie nach Wien auswandern, berichtete das Personenkomitee am Sonntag in der Mitteilung aus Wadanis Leben. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete sich Wadani demnach freiwillig zur Luftwaffe mit der festen Absicht, mit der Zivilbevölkerung und dem bewaffneten Widerstand in den besetzten Ländern zu kooperieren. Im März 1942 unternahm er an der Ostfront einen ersten Desertionsversuch. Erst zweieinhalb Jahre später, Mitte Oktober 1944, gelang es Richard Wadani in der Nähe von Aachen zu den alliierten Streitkräften überzulaufen. Mangels österreichischer Einheiten aufseiten der Alliierten meldete sich Wadani freiwillig zum Zweiten Tschechischen Korps, das Teil der britischen Armee war.

Anfang 1946 kehrte Richard Wadani nach Wien zurück. In der Zweiten Republik arbeitete er in unterschiedlichen Funktionen für KPÖ-nahe Institutionen, vor allem aber als Volleyballtrainer. 1968 kehrte er der KPÖ den Rücken. In den späteren 1990er-Jahren bemühte sich Wadani gemeinsam mit David Ellensohn erfolgreich um die Aberkennung des Ehrengrab-Status für das Grab des NS-Jagdfliegers Walter Nowotny.

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2002 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Personenkomitees „Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“. 2005 beschloss der österreichische Nationalrat das Anerkennungsgesetz, mit dem Deserteure anspruchsberechtigt im Sinne der Opferfürsorge wurden. 2009 erfolgte mit dem Beschluss des Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz die pauschale Rehabilitierung aller Opfer der NS-Militärjustiz. Im Oktober 2014 eröffneten der damalige Bundespräsident Heinz Fischer und der damalige Wiener Bürgermeister Michael Häupl das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz am Wiener Ballhausplatz.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und weitere Politiker der Grünen zeigten sich am Sonntag tief betroffen über Wadanis Tod. „Mit seinem Tod verliert unser Land einen großen Österreicher“, bedauerte Van der Bellen Wadanis Verlust.

„Mut, Zivilcourage und ein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn zeichneten Richard Wadani aus“, konstatierte der Bundespräsident. Mit seiner Desertation aus der Wehrmacht habe Wadani einen Beitrag zur Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus geleistet, so Van der Bellen.

Betroffen über den Tod von Wadani zeigte sich auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures. „Richard Wadani war ein Mensch, der stets Haltung bewiesen hat. Mit ihm verliert Österreich einen aufrechten engagierten Antifaschisten und einen Kämpfer für die Gerechtigkeit“, sagte die SPÖ-Politikerin in einer Aussendung.

„Unsere Republik ist Wadani zu großem Dank verpflichtet“, so Bures. Seinem unermüdlichen Einsatz und dem vieler Widerstandskämpferinnen und -kämpfer sei es zu verdanken, dass die Deserteure der Wehrmacht und alle anderen Opfer der NS-Militärjustiz zu später Anerkennung und Rehabilitation kamen.


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