Dominic Thiem ab Dienstag wieder auf dem Tennisplatz

Auch für Österreichs Tennis-Asse gibt das Grüne Licht der Bundesregierung zum Trainingsbeginn Grund zur Freude. Allerdings stehen die Profi-Touren ATP und WTA zumindest noch bis Mitte Juli. Daher geht es auch Dominic Thiem langsam an. Er trainiert erstmals am Dienstag, Dennis Novak, Sebastian Ofner und Jurij Rodionov steigen am Montag ins Trainingsgeschehen ein.

„Es wird nichts Spektakuläres sein. Ein langsamer Start“, so Thiem-Manager Herwig Straka am Sonntag auf APA-Anfrage. „In jedem Fall begrüßen wir diese Regelung, die den Spitzenspielern wieder die Möglichkeit gibt, ihrem Beruf nachzugehen“, erklärte der Steirer.

Auf jeden Fall wird es ein langsames Aufwärmen für einen Wiederbeginn, den man noch gar nicht kennt. Wolfgang Thiem wird mit seinem Sohn Dominic, Novak, Ofner und Rodionov nun im „Better Tennis Center“ in Wien Alt Erlaa trainieren.

Zusätzlich zu den Empfehlungen der Bundesregierung wird man auf die Dusche im Trainingszentrum verzichten. „Wir schauen, dass Vorsorge getroffen wird für Desinfektionsmittel und sie werden dort nicht duschen. Sie wohnen eh alle dort in der Nähe“, erklärte Wolfgang Thiem im Gespräch mit der APA. Man werde dort nicht den ganzen Tag verbringen.

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Was hält Vater Thiem von eigens markierten Bällen? „Das sind alles erwachsene Leute, die werden jetzt den Ball nicht abschlecken und sich nicht umarmen.“ Novak und Rodionov wohnen in Wien, Ofner bekommt Anfang Mai eine Wohnung bei Traiskirchen. Und auch Thiem hat eine kurze Anfahrt.

Sich für einen Zeitpunkt „heiß“ zu machen, den man nicht kennt, ist unmöglich. Das weiß auch Papa Thiem. „Das Schwierige ist jetzt, ein Ziel zu haben, weil nicht klar ist, wann es weitergeht.“ Der „worst case“ wäre, wenn es 2020 gar nicht weitergeht bzw. eben immer weiter verschoben wird. „Man muss es so machen, dass man einmal trainiert, dann vielleicht zwei Wochen nichts macht. Dann muss man eine Welle reinbringen - die können ja nicht bis Ende des Jahres trainieren und keine Matches spielen.“

Allgemein seien seine Spieler sehr fit. „Tennisfit nicht, aber alle haben viel Ausdauer trainiert. Dominic war laufen und inlineskaten, die anderen haben auch ihr Heimprogramm gemacht“, erzählte Wolfgang Thiem.

Interessant ist für ihn ein von Serena-Williams-Coach Patrick Mouratoglou angedachtes Millionenturnier im Tenniscamp Mouratoglou. Unter Berücksichtigung von „social distancing“ und Erstreckung auf fünf aufeinanderfolgende Wochenenden soll ab Mitte Mai ein Einladungsturnier in dessen Akademie in Frankreich gespielt werden. So etwas würde Wolfgang Thiem als möglichen Einsatz für seinen Sohn eher vorschweben als etwa Matches in der heimischen Tennis-Bundesliga. „Wenn du dort gegen einen Goffin, einen Tsitsipas spielen kannst...“, erklärt Thiem. Der Belgier und der Grieche spielen dort ja fix in der Akademie.

Ob die vorerst für 13. Juli anberaumte Tour-Verzögerung hält, da ist Thiem senior skeptisch. „Ich glaube, dass es mit der Amerika-Tour nichts wird, das ist mein Gefühl“, bezieht er sich etwa auf die Events in Toronto, Cincinnati und die US Open. Viel werde natürlich von den Reisemöglichkeiten bis dahin abhängen. Und wenn es 2020 gar nicht mehr geht? „Es gibt so viele Fragen. Ich kann mir schon vorstellen, dass heuer nichts mehr ist - es würde mich nicht extrem überraschen, aber es wäre halt ein Wahnsinn.“

Angedacht werden könnte auch ein dem Golf-Sport ähnliches System mit regionalen Turnierserien, um die Reisetätigkeit zu reduzieren. „Wenn es in Europa wieder etwas beweglicher ist, werden sie sich sicher etwas einfallen lassen. Ich glaube nicht, dass dann keine Matches angeboten werden, aber da wird man vielleicht eine regionale Turnierserie schaffen, für die es halt keine ATP-Punkte gibt.“

Doch die Krux liegt mit Sicherheit bei nötigen Reisegenehmigungen. „Ich weiß nur, dass es von Deutschland nach Österreich ginge.“ Etwa wenn Dominic Thiem seinen Physio Alex Stober zur Behandlung in Österreich haben möchte. „Das ginge, aber da muss Dominic eine Einladung schreiben, Alex müsste einen Blutbefund bringen und ich glaube, wenn er zurückgeht, müsste er sogar wieder in Quarantäne gehen. Das ist dann uninteressant.“

Hinter den Kulissen wird in der ATP an Szenarien gearbeitet, doch wenn man keinen fixen Termin angeben kann, ist nur ein Hinauszögern möglich. „Die ATP wartet jetzt noch bis Anfang Juni ab. Dann möchte sie entscheiden, ob Amerika gespielt wird und dann wird man sich auf die September-Tour in Europa verlagern.“

Thiem senior stellt schon auch Zukunftsfragen ob der Coronakrise. „Die Frage ist, wie die ganze Tennis-Szene aus der Geschichte rauskommt. Wie viele Turniere das überleben, wie verändert sich das dann in den nächsten Jahren?“

Und die arbeitslosen Spieler? Von der ATP gibt es offiziell keine Unterstützung, denn die Spieler sind selbstständig. Während man sich um einen Dominic Thiem nicht sorgen muss, sind zumindest Spieler außerhalb der Top 100 gefährdet. Wie wird dann Akteuren wie Ofner oder Rodionov geholfen? „Man muss ihnen trainingsmäßig entgegenkommen, man unterstützt sie da, dass man ihnen die Möglichkeit gibt, dass sie gut trainieren“, so Thiem. Immerhin fallen auch die Reisekosten weg. „So viel Reserven haben sie schon, das Problem ist dann eher der Trainer, der mit den Spielern gefahren ist, die ganze Entourage mit Konditrainer und Physio, die sind ja auch alle arbeitslos.“

Doppelspezialist Jürgen Melzer, der sich auch verstärkt um seinen dreijährigen Sohn kümmert, wird den Trainingsbeginn langsam angehen lassen. „Es ist nicht so, dass jetzt Stress entsteht, weil ich übermorgen in Form sein muss. Ich werde natürlich spielen, vielleicht dreimal die Woche und schauen wer Zeit hat.“


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