Ist ein geregeltes Training in Tirol in Corona-Zeiten möglich?

Freiluft- vor Hallensport, am besten kontaktlos. Die Regelung zum Trainingsalltag im heimischen Sport wirft in Tirol allerhand Fragen auf.

Fußballplätze sind ab 18. Mai zugänglich, Menschenaufläufe sind allerdings zu vermeiden. Das Maßnahmenpaket bedarf noch einer Abklärung.
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Von Florian Madl und Benjamin Kiechl

Nach gefühlten 50 Videokonferenzen konnte Tirols Tennisverbandspräsident Walter Seidenbusch an die 18.000 Mitglieder im Land die Richtlinien für die Platzöffnungen ab 1. Mai herausgeben. Problem: „Immer wieder kommen von verschiedenen Politikern neue Richtlinien.“ So zuletzt von Sportminister Werner Kogler, der ein Doppel-Spiel in Aussicht stellte – was nun doch nicht stattfinden kann. Viele Fragezeichen tun sich derzeit auf, etwa: Ist Gruppentraining mit Kindern möglich? Darf in der Halle Tennis gespielt werden? Fest steht derzeit nur, dass Anfang Juni die Tiroler Mannschaftsmeisterschaft beginnen soll, für das Verhalten bei Turnieren gibt es ebenfalls einen Kodex. Allerdings bleibt der genaue Zeitpunkt offen und die Teilnahme der älteren Jahrgänge (Risikogruppe) eine Variable. Ein Start im Herbst steht zur Diskussion.

Baumärkte sind geöffnet, Stabhochspringer wie Riccardo Klotz dürfen inde­s nicht trainieren. TLV-Präsident Kessler versteht das nicht.
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Auch die Leichtathleten sollten ab 1. Mai wieder auf den Tartan dürfen. Doch während für Spitzensportler wie Lukas Weißhaidinger (Diskus) oder Verena Preiner (Siebenkampf) die Situation klar definiert wurde, harren die unteren Leistungsstufen der Vorgaben. Bei den Profis heißt es: nur jede zweite Bahn benützen, die Hürden nach dem Training desinfizieren. Und im Vereinssport, im Nachwuchsbereich? Schließlich sind die Richtlinien für Stadien nicht eindeutig, wie Tirols Verbandspräsident Reinhard Kessler weiß. „Wir haben eine Stabhochsprunganlage, die mutterseelenallein dasteht. Aber Riccardo Klotz, unser Aushängeschild, kann nicht springen.“ Auch die Ansagen der Politik seie­n missverständlich: „Ich wurd­e von Veranstaltern gefragt, was denn nun erlaubt sei, denn man konnte nach so mancher Pressekonferenz den Eindruck gewinnen, es sei wieder alles erlaubt.“

Die Footballer gelten wie die Fußballer als Kontaktsportart, außerdem wären sie im Freien aktiv. Ein Grund, wie auch die Kollegen mit dem runden Leder bereits Mitte Mai aufs Feld zu gehen? „Noch wissen wir nichts. Wir erarbeiten das gerade in einer Arbeitsgruppe mit dem Sportministerium“, erklärt Gerwin Wichmann, Präsident des Tiroler Footballverbands und Vizepräsident des österreichischen. Zur Diskussion steht etwa Training in Kleingruppen – wie auch bei den Fußballern.

Noch wartet Arno Buche­r, Vizepräsident des Tiroler Fußballverbands und Obmann des SV Kematen, wie denn die neue Trainingsrealität im Fußball ab 18. Mai aussehen wird. „Es ist ja toll, wenn die Fußballer wieder eine Beschäftigung haben. Aber klare Maßnahmen fehlen mir.“ Er wolle jedenfalls nicht dafür verantwortlich sein, wie der Alltag auszusehen hat, „denn die zwei-Meter-Regel allein erscheint mir zu wenig“. Darüber hinaus seien es im konkreten Fall ja auch die Gemeinden gewesen, die Sportplätze schließen ließ. Ein weiteres Fragezeichen: Wie will man in Zukunft in einer niedrigen Altersstufe wie der U 8 Passübungen durchführen? Das viel größere Fragezeichen: „Viele Sportler sind in Kurzarbeit oder stehen vor einer Kündigung. Die haben im Moment wohl andere Sorgen als den Fußball.“

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Die Handballer stellen sich ebenfalls auf weitere schwierige Wochen ein. „Als Kontakt- und Hallensportart zählen wir zu den Letzten, für die ein normales Training möglich sein wird“, erzählt Thomas Lintner, der sportliche Leiter von Handball Tirol. Ab Mai sei Kleingruppentraining „im körperlichen Bereich“ angedacht. Von Übungen mit „Handball-Charakter“ in der Schwazer Sporthalle Ost könne man derzeit nur träumen. Für heute ist eine Videokonferenz des Handball-Bundes angesetzt. „Danach wissen wir hoffentlich mehr“, so Lintner. Auch im Nachwuchsbereich herrscht derzeit Stillstand. Die Trainer sind mit den jungen Spielern in Kontakt und bieten Online-Aktivitäten an. Kurios ist die Situation um Handball-Tirol-Neuzugang Gerald Zeiner, der sich vorerst telefonisch bei seinen Mitspielern vorstellte. In den nächsten Tagen sei ein erster Besuch in Schwaz geplant.


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