Öffnung von Schulen und Kindergärten: Mit Abstand und Komplikationen

Ab Mai gelten Maskenpflicht und Hygieneregeln in den Schulen. Nicht nur der Schulbetrieb wird zur großen Herausforderung. Auch bei den Kindergärten spitzt es sich zu.

Für die über 90.000 Tiroler Schüler, für Eltern und Lehrer gibt es jetzt einen Zeithorizont, wann die Schulglocke wieder läutet.
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Von Marco Witting

Innsbruck – Auch mit etwas Abstand betrachtet, ist es kompliziert. Wer darf wann in die Schule? Wer wird wo betreut? Auch wenn gestern Bund und Land den Fahrplan für die Schulöffnungen präsentierten, so richtig in Fahrt kommt das Schuljahr wohl nicht mehr. Angesichts vieler Detailfragen, die teilweise auch von Standort zu Standort unterschiedlich sein können, ging gestern auch Bildungslandesrätin Beate Palfrader von „Komplikationen“ und „Umstellungen“ aus. Um sich kurz darauf in Optimismus zu üben. So wie man die Situation gut gemeistert habe, werde auch das gelingen.

📽 Video | Schulen öffnen in drei Etappen

Für die über 90.000 Tiroler Schüler, für Eltern und Lehrer gibt es jetzt also einen Zeithorizont, wann die Schulglocke wieder läutet. Wohl das Wichtigste für viele nach den Wochen des Heimunterrichts.

Palfrader wollte es dann auch nicht stehenlassen, dass man den Bildungssektor beim Öffnungsreigen vernachlässigt habe. Im Gegenteil. „Gerade weil uns die Gesundheit und die Kinder besonders wichtig sind, wollten wir hier sorgfältig vorgehen.“

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Stiefmütterlich von der Bundespolitik behandelt haben sich viele Eltern gefühlt, deren Kinder in den Kindergarten gehen. Auch hier gibt es eine schrittweise Öffnung. Auch hier gibt es viele Fragen. Auch hier ist es kompliziert. Schon jetzt wurden ja Kinder betreut – die Zahlen stiegen zuletzt deutlich, blieben aber auf niedrigem Niveau. Dies war aber laut erster Verordnung Eltern in systemerhaltenden Betrieben vorbehalten bzw. eine Bestätigung des Arbeitsgebers notwendig.

„Es wird hier eine neue Verordnung geben, die den Kreis der Eltern erweitert“, sagt Palfrader. Nun braucht es keine Bestätigung mehr. Es sollen alle berufstätigen Eltern (auch im Home-Office) und auch Eltern, die aus anderen Gründen einen Betreuungsbedarf haben, eingeschlossen werden. Was die Frage aufwirft, wer denn jetzt überhaupt noch ausgenommen ist. Ab 18. Mai sollen vor allem die Fünfjährigen in den Kindergarten gebracht werden – um den Bildungsauftrag zu erfüllen. Empfohlen wird eine Gruppengröße von 6 Kindern. Das wird viele Einrichtungen vor räumliche Probleme stellen.

Auch auf den Agenden des Landes: Schutzmasken für die Pflichtschullehrer und die Suche nach Wegen, wie der Frühverkehr in den Öffis mit Schülern entzerrt werden kann. Auch hier soll es einen Stufenplan geben. Um die nötige Distanz gewährleisten zu können. Auch mit etwas Abstand betrachtet wartet hier noch viel Arbeit in den kommenden Tagen.

Drei Fragen an Heidi Schrodt

AHS-Direktorin a. D., Vorsitzende der Initiative BildungGrenzenlos, mehrfache Preisträgerin und Bildungsexpertin.

1) Wie bewerten Sie den Stufenplan für die Schulen? Die Richtung stimmt jedenfalls. Die totale Schließung der Schulen wäre nicht mehr länger aufrechtzuerhalten gewesen. Aber wie Christiane Spiel gesagt hat: Man muss die Balance zwischen Bildungsauftrag und Infektionszahlen genau im Auge behalten. Was mir abgeht, ist die soziale Komponente: Kinder, die in den letzten Wochen zuhause zurückgefallen sind, müsste man besonders fördern, auch abseits von den jetzt angedachten „Summer Schools“ und schwerpunktmäßig im nächsten Schuljahr.

2) Wird die Umsetzung des Hygienehandbuchs den Praxistest bestehen? Schulgebäude in Österreich sind höchst unterschiedlich – alte Häuser haben enge Gänge und kaum Freiflächen, in großen, offenen Campusschulen ist das Abstandhalten sicher leichter. Dann kommt es auf die Altersgruppe der Kinder an, aber gute Lehrer bekommen das hin. Man könnte jedem Kind etwa ein kleines Handbuch geben und die neuen Regeln ritualisieren.

3) Wo gehört noch nachgebessert? Ich finde es ganz schlecht, die Heimarbeit seit Mitte März in die Leistungsbeurteilung miteinzubeziehen, denn viele Kinder werden zuhause nicht unterstützt. Die Kinder sollen sich ab Mitte Mai in der Schule wieder verbessern können, aber jedenfalls nicht verschlechtern.

Das Interview führte
 Carmen Baumgartner-Pötz


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