Vier Pferde beweisen in Jenbach Talent als Co-Therapeuten

Sie wiehern, traben und heilen: Nala, Spirit, Sunshine und Balu sind Teil einer besonderen Psychotherapie. Sie werden zum Spiegel der Klienten.

Spirit und Gerhard Proksch sind ein eingespieltes Team.
© Martin Ludwig

Von Eva-Maria Fankhauser

Jenbach – Es ging ihr nicht gut. Sie wurde in der Schule gemobbt, gehänselt. Sie fühlte sich allein, hatte Angst. Es wurde immer schlimmer. Kein Ausweg in Sicht. Bis zu jenem Tag, als sie vor Nala stand. Schritt für Schritt setzte sich das Mädchen mit Hilfe der Stute mit ihren Schwierigkeiten auseinander. Am Pferderücken von Nala fasste sie wieder Vertrauen, fühlte sich angenommen, selbstbewusst.

Beispiele wie dieses erleben Gerhard und Gabriela Proksch fast täglich. Sie bieten nämlich pferdegestützte Psychotherapie an. Dabei versuchen sie, mit Hilfe der Pferde dort anzusetzen, wo das Problem tatsächlich herkommt und gehen in die Tiefe. „Wir haben mit unserer Therapie große Erfolge bei Mobbing. Die Leute, die zu uns kommen, lernen, wie man aufrecht steht, wie man reagiert, und bauen eine Beziehung zum Pferd auf“, erklärt Gerhard Proksch. Für den Psychotherapeuten ist es immer wieder ein unvergleichliches Erlebnis, wenn er sieht, wie ein kleines Mädchen plötzlich aus sich herausgeht und einem 450 kg schweren Wallach, der auf sie zugaloppiert, Einhalt gebietet. „Sie sagt ,Stopp!‘ und das riesige Pferd bleibt stehen. Das ist ein besonderer Moment“, sagt er.

Manuela Unterrader genießt die Zeit mit den Pferden.
© Proksch

Aber auch Menschen mit Depressionen, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Ängsten, Verhaltens­auffälligkeiten, Burnout oder Essstörungen werden auf dem 5000 m² großen Pferdeareal in Jenbach therapiert – und zwar mit viel Wärme, Einfühlungsvermögen und Vertrauen.

Das Besondere an der Arbeit mit den Pferden: Sie spiegeln Verhaltensmuster und nehmen die Stimmung ihres Gegenübers wahr. „Das Pferd ist im Hier und Jetzt. Es spielt für das Tier keine Rolle, welche Probleme man im Job oder sonst wo hat“, sagt Gabriela Proksch. Zudem mache es einen großen Unterschied, ob in der Praxis therapiert wird oder im Freien mit einem Dritten – dem Pferd. Für die Psychologin ist es sehr berührend, wenn z. B. ein Kind nach einem traumatischen Erlebnis nicht mehr spricht und plötzlich mit dem Pferd beginnt, wieder zu reden und zu lachen. „Das sind die Geschenke, die wir durch diese Arbeit kriegen.“

Spannend ist, für welches Pferd man sich entscheidet. „Denn auch sie haben spezielle Fähigkeiten oder Themen – man könnte auch Schwächen dazu sagen“, erklärt sie. Stute Nala gilt als Beschützerin, die mit Angst umzugehen lernte. Spirit ist ein frecher Araber, der gerne seine Grenzen testet, und Sunshine ist ein richtiges Kuschelpony. Der Riese Balu hat eine harte Vergangenheit. „Und jetzt ist er ein unglaubliches Therapiepferd“, sagt Gabriela Proksch. Mit Parcours, berittenem Bogenschießen, beim Striegeln, Reiten oder Entspannen mit dem Pferd lernen Kinder, Jugendliche und Erwachsene, ihren Problemen auf den Grund zu gehen. Zum Team gehört auch Manuela Unterrader. Die Pädagogik-Studentin ist begeistert, was man mittels Beziehung zum Pferd bewirken kann.

Um mehr Menschen eine Therapie zu ermöglichen, haben die Prokschs das Spendenkonto „Horsekids“: AT60 3621 8000 0044 6229. Auch Einnahmen aus Prokschs Buch „Nala – Der magische Steinkreis“ fließen da hinein.


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