Nicht kleckern, sondern klotzen in Platzgummers neuer Football-Welt

Willkommen in der reichsten Sportliga der Welt: Der Tiroler Footballer Sandro Platzgummer steht vor den Toren der NFL. Einem Hochglanz-Produkt mit 32 Teams und einem Jahresumsatz von 13 Milliarden Euro.

Das MetLife-Stadion ist seit zehn Jahren die Heimstätte der beiden New Yorker Football-Clubs, der Giants und der Jets, fasst 82.500 Zuschauer und kostete 1,6 Milliarden Dollar.
© imago images / Icon SMI

Von Daniel Suckert

Innsbruck – Das Wort „Superlativ“ wird nicht nur in der Welt des Sports oft inflationär verwendet. Doch bei der NFL (National Football League) ist es angebracht. Der Innsbrucker Sandro Platzgummer hat nun die Chance, ein Teil dieser Gelddruckmaschine zu werden. Dafür bleiben ihm dank des Förderprogramms „International Player Pathway“ bis zu zwei Jahre Zeit.

Groß, größer, Goodell: Der mächtige Mann hinter der Liga heißt Roger Goodell, der einst als Praktikant in der NFL begann und seit 2006 die Zügel in der Hand hat. Der 61-Jährige will bis 2027 den Umsatz auf 20 Milliarden Euro hochschrauben. Mit den bisherigen 13 Milliarden setzt die Football-Profiliga aber schon mehr um als die vier größten Fußballligen (England, Deutschland, Spanien und Italien) zusammen. Goodell selbst verdient rund 40 Millionen Dollar im Jahr – Privatjet inklusive.

Alle Macht dem TV: Zwei Drittel der Umsätze ermöglichen die TV-Gelder. Bei jedem neuen Häppchen gibt es ein Wettbieten zwischen NBC, Fox und Co. Beachtlich sind auch die Partner, die Goodell an Land ziehen konnte: Eine Milliarde Euro kommt unter anderem von Schwergewichten wie Visa, Ford, Nike, Microsoft, McDonald’s oder Pepsi, wobei die Trikots der 32 Clubs werbefrei bleiben. Ein 30-Sekunden-Werbespot beim alljährlichen Super Bowl – den knapp eine Milliarde Menschen weltweit verfolgen – kostet rund 4,5 Millionen Dollar.

Der Nordstern heißt Dallas: Am hellsten der 32 Teams strahlt der Stern der Dallas Cowboys. Auf der Forbes -Liste der wertvollsten Clubs der Welt thront man mit einem Wert von 3,43 Milliarden Euro an der Spitze. Der Club des 77-jährigen Milliardärs Jerry Jones gehört auch zu den Publikumsmagneten: In Dallas kann man einen Zuschauerschnitt von über 92.000 Fans pro Partie vorweisen. Detail am Rande: 29 der 32 NFL-Mannschaften tauchen in der Forbes -Liste in den Top 50 auf.

Moderne Gladiatoren: Der Grund für die Popularität des Sports ist die Härte am grünen Rasen. Mann gegen Mann – der durchschnittliche NFL-Footballer hat eine Halbwertsdauer von nur dreieinhalb Jahren. Bei den Zusammenstößen müssen die Stars oft Belastungen eines Autounfalls aushalten. Dass die Saison deshalb nur ein halbes Jahr dauert, scheint klar.

Und macht die fast schon an Vergötterung grenzende Verehrung eines Tom Bradys verständlich. Der bald 43-jährige Quarterback hat mehr Titel (6) als jeder andere vor ihm gewonnen und machte heuer Schlagzeilen mit seinem Wechsel nach Florida (Tampa Bay Bucca­neers). Dort wird der „G.O.A.T.“ („Der Größte aller Zeiten“) in zwei Jahren noch einmal 50 Millionen Dollar einstreifen. Der letztjährige Super-Bowl-Sieger Patrick Mahomes (Quarterback Kansas City Chiefs) soll schon bald einen mehrjährigen Vertrag unterzeichnen, der ihm bis zu 200 Millionen Dollar einbringen könnte.

Sandro Platzgummer freut sich auf sein Giants-Abenteuer.
© gepa

Platzgummers Weg: Zahlen, von denen Sandro Platzgummer (noch) nicht träumen kann. Für den Tiroler heißt es vorerst einmal den Sprung in den 53-Mann-Kaders der New York Giants zu schaffen. Schwer genug, wenn man bedenkt, dass mit Saquon Barkley eines der größten Running-Back-Talente dieselbe Position wie der 23-jährige Innsbrucker bekleidet.

Platzgummers Ass ist jedoch sein Förderprogramm, wie Tirols Raiders-Legende Florian Grein weiß: „Sandro kann sich jetzt bis zu zwei Jahre beweisen. Der Schlüssel sind sicher die Testspiele vor der regulären Saison.“ Da werden Barkley und Co. geschont und die zweite und dritte Garde kann sich empfehlen. Auch auf anderen Positionen in den so genannten „Special Teams“.

Raiders-Legende Florian Grein.
© Thomas Boehm / TT

Grein, der Kontakte zu Coaches in der NFL hat, weiß, was der Tiroler Modellathlet jetzt zeigen muss: „Sandro muss selbstbewusst auftreten, zeigen, dass er Teil des Ganzen ist und darf sich nicht einschüchtern lassen. Er war bei Europa- und Weltmeisterschaften, hat eine hervorragende Ausbildung genossen und nationale wie internationale Titel gewonnen.“

Das Gesicht der New York Giants: Runing Back Saquon Barkley.
© imago images / ZUMA Press

Durch das Pathway-Programm hat der Tiroler Export etwas mehr Zeit und weniger Druck zur Akklimatisierung. Sollte der Sprung in die erste Giants-Garde nicht auf Anhieb geschafft werden, bleibt er dem „Practice Squad“ (Ersatzteam) erhalten. Dort bekommt er noch mehr Zeit, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Die Entscheidung liegt bei den Giants. Doch auch der Familienvater und ehemalige Running Back Grein zeigt sich überzeugt, dass das Raiders-Eigengewächs die letzte Stufe gehen kann: „Wer, wenn nicht Sandro bringt alles dafür mit?“


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