Hype um Duft des Kranewitt: Sieben Mal Gold beim World Spirits Award

Mit Gin räumten Tiroler heuer sieben Gold-Medaillen beim World Spirits Award ab. Wesentliche Zutat ist die urige Wacholderbeere.

Die Wacholderbär-Macher Christian Auer, David Gölles und Clemens Strobl (v. l.) freuen sich über drei Goldmedaillen für ihre Gins. Die Wacholderbeere verleiht durch Harze dem Gin die typische Note.
© ms.foto.group

Von Thomas Böhm

Mieming –Der Wacholder alias Kranewitt oder Krammet ist auch in der sonnseitigen Tiroler Wildnis heimisch. Innsbrucks Stadtteil Kranebitten ist nach ihm benannt, die Mieminger führen einen Wacholderzweig im Gemeindewappen. Die aromatischen Beeren, die nur alle zwei Jahre blau und damit erntereif an diesem peinlich stupfigen Gestrüpp im Wald sprießen, würzen u. a. Schweinsbraten, Sauerkraut, Wild oder den Rauch der Selche.

Selten wird in Tirol aus Wacholder noch reiner Schnaps gebrannt (getrocknet enthalten die Beeren bis zu 30 Prozent Zucker). Der Kranewitt führte bei uns bisher ein zwar ehrliches, aber wenig eitles Dasein.

Und jetzt das: Gold, Gold, Gold! In Form von Medaillen beim renommierten World Spirits Award (WSA) – siebenmal Gold brachten Tiroler Gin-Produzenten 2020 von dort nach Hause.

Besonders aufgetrumpft haben die Eagles Future Distillery aus Igls (94,3 und 92 Punkte) sowie die Wacholderbär GmbH, die ihren Sitz zwar in Niederösterreich hat, aber mit dem Mieminger Sommelier Christian Auer im Trio geführt wird. Letztere ernteten gleich drei Goldmedaillen (92,7, 92 und 91 Punkte)! Weiters holten der Walchseer Peter Kronbichler (94,3 Punkte) und Erber aus Brixen im Thale (90 Punkte) Gold.

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Seine persönlichen Gin-Favoriten verrät der erfahrene Gastronomiejournalist Jürgen Schmücking, er lebt in Schwaz und ist seit zehn Jahren WSA-Juror. Auf Anhieb nennt er den Tiroler Teil des goldenen Wacholderbären-Trios – „Roots & Wild Herbs“: „Ein ehrlicher, klassischer Gin mit Kräutern und Wurzeln vom Mieminger Plateau, der in seiner Kategorie harte Konkurrenz hatte. Richtig gut, erdig, rustikal und nah am Original.“ Die anderen beiden Wacholderbär-Gins (Kategorie New Western Style, eine sensorische Spielwiese) seien „hochwertig, aber letztlich entbehrlich“. Für ihn muss ein guter Gin klassische Cocktails wie Gin-Tonic oder Negroni leben lassen.

Einige weitere Tiroler Gins „taugen wirklich etwas“, so Schmücking: „Der Brixx43 Gin von Erber in Brixen, der Zirben Dry Gin (Zirbin) oder (erstaunlicherweise) der Herr Friedrich von Therese Mölk. Weiters: Die Eagles Future Distillery (Alpine Gin), Naturbrennerei Kuenz (Roter Turm Alpine Dry Gin – einer meiner Favoriten), Gerhard Maass (maassbrand, Gin Tyrol). Und Rochelt (Annias).“ Nicht alle Genannten haben heuer beim WSA eingereicht.

Nun: Es war ein weiter Weg, bis es der stachlige Kranewitt geschafft hat, via Mode-Spirituose Gin in Tirol für größeres Aufsehen zu sorgen.

Seinen Ursprung hat der Schnaps im 17. Jahrhundert in Holland (Genever), adelige und kriegerische Verbindungen brachten ihn nach England, wo er den Namen Gin erhielt und alle sozialen Schichten berauschte: vom Billigfusel bis zum Lieblingsgetränk der Queen-Mum.

Gin besteht vor allem aus den Aromen der Wacholderbeere und reinem Industriealkohol. Was Zutaten und Produktion betrifft, also recht simpel und fehlerresistent (vielleicht ein Aspekt des Gin-Hypes). Was einen Gin besonders macht, sind seine Botanicals, die aromatischen Zutaten.

Und die sind ein streng gehütetes Geheimnis erfolgreicher Produzenten. Botanicals können von Zitrus über Koriander bis Gurke reichen. Den aromatischen Phantasien sind je nach Kategorie (ähnlich wie bei Craft-Beer) keine Grenzen gesetzt. Wirklich gut ist der Gin dann, wenn der Einfallsreichtum mit schöner Komplexität und sensorisch stimmig auf den Boden gebracht wird.

Letzter Blick auf den World Spirits Award – eine Meisterklasse des Hochprozentigen: Immerhin sieben der 18 österreichischen Gins, die beim WSA mit Gold prämiert wurden (weltweit waren es 49), wurzeln in Tirol. Damit könnte man uns ja schon fast als Gin-Hochburg einordnen. Hättest du dir das gedacht, alter Kranewitt?


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