Für Milizionäre in Tirol beginnt der Ernst des Soldatenlebens

102 Reservisten folgten am Montag in der Wattener Lizum der Einberufung zum Heeresdienst. Sie werden an den Grenzen eingesetzt.

Zurück im Militärdienst: ein Milizionär mit der Ausrüstung, die er am Truppenübungsplatz Walchen ausgefasst hat.
© Militärkommando Tirol

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Alle zwei Jahre ein bis zwei Wochen üben – dann ist der Ausflug ins Soldatenleben für die Milizionäre des Bundesheers wieder beendet. So war es zumindest bisher. Doch jetzt – erstmals seit dem Bestehen der Zweiten Republik – ist für die Milizsoldaten der Ernstfall eingetreten. Allein in Tirol verließen 102 Männer vorübergehend ihre Familien und Arbeitsplätze, um sich am Montag am Truppenübungsplatz Walchen in der Wattener Lizum zum Dienst in der Bundesheer-Uniform zu melden. In den kommenden drei Monaten werden die Miliz-Soldaten vor allem die Polizei bei der Überwachung der Grenzen unterstützen. Aber auch „gesundheitsbehördliche Aufgaben“ wie Fiebermessungen bei Einreisenden sind vorgesehen. „Ich bin mir sicher, dass die Soldaten all­e an sie gestellten Aufgaben meistern und zum Schutze und Wohle Österreichs ausführen werden“, ist der Tiroler Militärkommandant Ingo Gstrein überzeugt.

Mit dem Einrücken der 102 Milizionäre ist die 2. Kompanie des Jägerbataillons Tirol noch nicht vollständig. „Wir erwarten weitere 20 Soldaten“, sagt Kompaniekommandant Hannes Pirker, der im Zivilleben als Unternehmens­berater in Salzburg arbeitet. Bevor es zum Grenzdienst geht, werden die Reservisten zwei Wochen lang in der Lizu­m ausgebildet. Zunächst sollen die Kenntnisse über den Umgang mit den Waffen und der Funktechnik aufgefrischt werden. In der zweiten Woche werden die Soldaten auf die Einsätze in rechtlicher und praktischer Hinsicht vorbereitet. „Märsche stehen nicht auf dem Programm“, schmunzelt Kommandant Pirker. Ausgebildet wird aus Sicherheitsgründen in Kleingruppen, regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen sind ebenfalls vorgesehen.

Aber auch ohne Wanderungen mit 50 Kilo Marschgepäck werden die kommenden Monate für die Milizionäre kein Honiglecken. Dienstbeginn ist um 7.30 Uhr, Dienst­ende um 21 Uhr, die Soldatenwoche hat sechs Tage, „nur am Sonntag ist frei“, erzählt Reinhard Ratzberger, Kommandant des Jägerbataillons 24, das die 2. Jägerkompanie ausbildet: „Da können die Leute heim zu ihren Familien.“ Die Stimmung sei jedenfalls gut, „viele Milizionäre sind motiviert und freuen sich, manche nicht“, ergänzt Pirker

In finanzieller Hinsicht müssen die Milizionäre kein­e Nachteile in Kauf nehmen: „Sie erhalten den Sold, der ihrem militärischen Rang entspricht“, erläutert Militärkommandant Gstrein: „Bei einem Unteroffizier wären das etwa 1800 Euro.“ Wer im Zivilberuf mehr verdient, erhält die entsprechenden Ausgleichszahlungen.

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Dennoch sind keineswegs alle Milizionäre der 2. Jägerkompanie am Montag am Truppenübungsplatz Walche­n eingerückt. Etwa 40 Prozent erhielten aus wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen oder familiären Gründen eine Freistellung.

Österreichweit haben am Montag 1400 Milizionäre die Bundesheer-Uniform angezogen. 2300 sind ursprünglich einberufen worden, davon erhielten etwa 900 eine Freistellung. Zunächst waren sogar 3000 Einberufungen vorgesehen. So viele Soldaten wurden dann aber doch nicht benötigt. Wie das Verteidigungsministerium mitteilt, übernehmen die Milizsoldaten jene Aufgaben, die bisher von Berufssoldaten und Rekruten in der verlängerten Dienstzeit bewältigt wurden.


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