„Mein Bruder schoss mich als Kind versehentlich an": Dale Albright im TT-Interview

Dale Albright stieß 1993 zum Ensemble des Tiroler Landestheaters, das wegen Corona noch länger pausiert. Ein Gespräch über plötzlichen Stillstand, das erhoffte Comeback und die Lage in der alten Heimat USA.

„Ich habe immer noch Angst.“ Tenor und Regisseur Dale Albright (im Bild wenige Tage vor Beginn des Corona-Lockdowns) über die seit zwei Monaten herrschende Zwangspause im Kulturbetrieb.
© Thomas Boehm / TT

Sie probten gerade für Peter Maxwell Davies’ Kammer- oper „Der Leuchtturm“, als im März die Corona-Krise ausbrach. Wie ist es Ihnen seither ergangen?

Dale Albright: Ich war anfangs wie gelähmt, und ich habe immer noch Angst. Ich vermisse die Arbeit am Theater sehr, den Kontakt mit Kollegen. Das Abstandhalten, so wichtig es auch ist, fällt schwer. Die ersten Wochen in Isolation waren seltsam, aber gleichzeitig habe ich die Ruhe genossen, die Zeit zum Innehalten. Der Mensch ist so was von getrieben: Schnell will er alles Mögliche erleben und verpasst dabei das Leben.

Der Zöllner sprach Urtirolerisch mit mir und nannte mich einen ,Deppen‘.
Dale Albright (über seine Ankunft in Tirol anno 1993)

Das Theater kann frühestens im Herbst wieder Programm anbieten, eine lange Wartezeit. Wie lenken Sie sich ab?

Albright: Ich habe das große Glück, hier in Innsbruck einen Garten zu haben. Garteln ist eine Leidenschaft von mir, da gibt es immer etwas zu tun. Täglich lässt sich Wachstum beobachten, das sanfte, hoffnungsvolle Grün, dazu Vogelgezwitscher. Herrlich! Ich habe auch lang gehegte Projekte in Angriff genommen, Nähen, Ausmalen, Basteln etc. Langweilig wird mir nicht.

Sie gehören quasi zum Inventar des Tiroler Landestheaters. 1993 wurden Sie von Intendant Mentha nach Innsbruck geholt. Ihre Ankunft in Tirol war aber wenig verheißungsvoll.

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