Die Reise ins Ungewisse startet für Segel-Duo wieder am Bodensee

Nach coronabedingter Zwangspause segelt Österreichs 49er-Duo Benjamin Bildstein/David Hussl wieder. Dabei stets im Blick: Tokio 2021.

Nach mehr als zweimonatiger Durststrecke sind David Hussl (links) und Benjamin Bildstein wieder in ihrem 49er-Boot unterwegs.
© hussl

Von Max Ischia

Bodensee – „Ich hab’ Zeit. Wir warten auf Wind“, sagt David Hussl und lächelt. Trotz momentaner Flaute könnte die Stimmung im Bregenzer Yachthafen kaum besser sein. Fehlt eigentlich nur noch eine kräftige Brise. Denn: Wehe, wenn sie losgelassen. Nach coronabedingter Zwangspause dürfen der Tiroler Vorschoter und sein Vorarlberger 49er-Steuermann Benjamin Bildstein endlich wieder trainieren. Ein cooles und befreiendes Gefühl. „Einfach schön, wenn dir wieder eine frische Brise um die Nase weht, auch wenn so manche Automatismen ein bisserl eingerostet waren. Aber von Minute zu Minute wurde alles vertrauter.“

Wie zuletzt vor ziemlich genau zwei Jahren legt das Duo wieder am Bodensee los. Damals läutete man nach Bildsteins zweiter Schulter- operation das Vorhaben Olympia-Qualifikation ein. Ein Planspiel, welches bei der WM 2018 in Aarhus (DEN) mit Rang 33 erst einmal ordentlich in die Hose ging. Rückblickend betrachtet nicht unbedingt das Schlechteste, wie Hussl versichert und erläutert: „Einerseits wäre eine vorzeitige Olympia-Qualifikation toll gewesen, weil du dich dann noch früher und zielgerichteter vorbereiten kannst. Andererseits waren wir so gezwungen, einiges zu hinterfragen, neue Wege einzuschlagen, mussten noch mehr Gas geben und ich getraue mich zu sagen, wir sind inzwischen gefestigter denn je.“ Worte, die von der gegenwärtigen Spitzenposition in der Weltrangliste nachdrücklich untermauert werden.

Seit Dezember 2019, seit dem sechsten WM-Platz vor Auckland (NZL), ist das Olympia-Ticket in trockenen Tüchern. Und spätestens nach Rang vier drei Monate später bei der WM vor Geloong (AUS), als man bis zur finalen Wettfahrt die Gesamtwertung anführte, ist der Fokus verstärkt auf das Segelrevier Enoshima – eine schlappe Autostunde von Tokios Randbezirken entfernt – gerichtet. „Aber“, schränkt Hussl ein, „wir wollen flexibel bleiben.“ Quasi ein Gebot der Stunde, schließlich weiß dieser Tage noch keiner, wann die Grenzen wieder aufgehen und wann erstmals wieder ein Testlauf in den olympischen Gewässern möglich sein wird.

Also wird dieser Tage auf dem Bodensee geübt. Auch wenn das Binnengewässer am Dreiländereck herzlich wenig mit dem wellenreichen, von Strömungen geprägten Olympiarevier gemein hat, machen die Trainingseinheiten durchaus Sinn. „Wir wollen ganz einfach so breit wie möglich aufgestellt sein. Und noch ist ja der Olympia-Hafen geschlossen, sodass selbst die japanischen Boote zuletzt nicht trainieren konnten.“

Langweilig wurde Hussl auch in den vergangenen Monaten nicht. Abgesehen von Kraft- und Konditionseinheiten galt es unter anderem die Terrasse im Elternhaus in Terfens umzubauen – nicht ohne die tatkräftige Mithilfe von Bruder Raphael, der als HTL-Absolvent (Innenarchitektur und Holzdesign) die Richtung vorgab. Wie gewissermaßen auch dieser Tage am Bodensee. Weil der kroatische Teamcoach Ivan Bulaja derzeit nicht ausreisen darf, springt eben Raphael Hussl als „Mann für viele Fälle“ in die Bresche. Und sei es, um die beiden Trainingsrückkehrer auf Wunsch der TT zu fotografieren.


Kommentieren


Schlagworte