Platz zum Ausweichen in Innsbruck: Fußgängerstraßen passen nicht allen

Mehr Platz zum Gehen und Ausweichen sollen neue Fußgängerstraßen und breitere Gehwege in Innsbruck bringen. Bei Politik und Anrainern ist das umstritten.

Blumentröge und Poller markieren den neuen, verbreiterten Gehweg in der Innstraße. Der Verlust an Parkplätzen ärgert jedoch viele.
© Domanig

Innsbruck – Sonntag, trübes Wetter: Beim TT-Lokalaugenschein in der Angerzellgasse, der St.-Nikolaus-Gasse und der Innallee in Innsbruck war die Passantenfrequenz gestern Mittag generell recht überschaubar. Jedenfalls machte­n kaum Fußgänger von der neue­n Möglichkeit Gebrauch, dort auf der Fahrbahn zu gehen. Genau das ist in den drei Straßen seit knapp einer Woch­e nämlich ausdrücklich erlaubt: Sie wurden von der Stadt zu temporären Fußgängerstraßen umfunktioniert: Das soll es erleichtern, trotz schmaler Gehsteige die Corona-­bedingt vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten. Möglich ist dies übrigens nur in Straßen, wo bereits ein Fahrverbot ausgenommen Anrainer-Zu- und Abfahrten gilt.

In der Innstraße in St. Nikolaus geht man einen anderen Weg – wortwörtlich: Dort ist der Gehweg seit Kurzem mehr als doppelt so breit. Zwischen Hans-Brenner-Platz und Waltherpark ersetzt er die bisherige Kurzparkzone, vom Waltherpark bis zur Innbrücke ist der Parkstreifen näher an die Fahrbahn gerückt. Entfallende Parkplätze für die Anrainer wurden auf die gegenüberliegende Straßenseite verlegt, wo dafür die Zahl der Kurzparkzonenplätze sinkt. Der neue, zusätzliche Gehweg ist bereits mit Blumentrögen und Pollern versehen.

Mit dieser Maßnahme wolle man „Platz zum Gehen schaffen“, erklärt Mobilitätsstadträtin Vize-BM Uschi Schwarzl (Grüne) – und zwar nicht nur am Inn, sondern eben auch auf der Seite, wo die Geschäft­e sind – Stichwort Laufkundschaft. Den Gastronomen soll auch die Bewirtschaftung zusätzlich entstandener Flächen ermöglicht werden.

In der Innallee (im Bild) und zwei weiteren Innsbrucker Straßen dürfen Fußgänger seit einer Woche ausdrücklich auch auf der Fahrbahn gehen. Gestern nützten die meisten aber trotzdem weiter den Spazierweg neben dem Inn.
© Domanig

Alle Verordnungen – sowohl die Fußgängerstraßen als auch der verbreiterte Gehweg – gelten befristet bis Jahresende. Man werde aber laufend beobachten und evaluieren, sagt Schwarzl, in enger Abstimmung mit den Stadtteil­initiativen. „Es ist ein Versuch, ein ,work in progress‘.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

In St. Nikolaus waren gestern viele eher skeptisch: „Parkplätze für meine Gäste waren mir lieber“, meint etwa ein Lokalbetreiber, „ich weiß auch nicht, wo die Lieferanten jetzt parken sollen.“ Den Gastgarten könne er trotzdem nicht vergrößern – zumindest sei er froh, dass die Stadt die Gebühren bis Jahresende erlässt.

Schon bisher seien Parkplätz­e im Viertel knapp gewesen, ärgert sich eine Anraineri­n, „jetzt sind Besuche fast unmöglich“. Sie sehe keinen Mehrwert: „Wir haben eh den Waltherpark, da braucht es keine Blumentröge.“

Kritik gibt es auch innerhalb der Stadtkoalition: Vize-BM Hannes Anzengruber (ÖVP) erklärt, er habe sich schon bei der Mobilitätssitzung der Koalitionsparteien als Einziger gegen das Gesamtpaket ausgesprochen: Dieses schieße über das Ziel hinaus und sei von grüner „Ideologie gegen den Individualverkehr“ geprägt. Leider sei ein Beschluss der Fußgängerstraßen-Errichtung durch den Gemeinderat rechtlich nicht nötig. Heftige Kritik kommt auch von FPÖ – besonders wegen der entfallenden Parkplätze – und Gerechtem Innsbruck: Der Bedarf fehl­e, es gehe wieder nur darum, den Autofahrern das Leben zu erschweren. (md)


Kommentieren


Schlagworte