Events bis auf Weiteres im Freien: Bei Regen hat der „Jedermann“ frei

Auch Kultur soll im Sommer schrittweise wieder möglich sein, doch für die grüne Kultursprecherin Eva Blimlinger ist eines klar: wenn, dann im Freien.

Tobias Moretti soll in Salzburg heuer zum vierten Mal den „Jedermann“ geben, so die Festspiele stattfinden. Buhlschaft Valery Tscheplanowa ist nach nur einem Jahr in dieser Rolle nicht mehr dabei.
© Matthias Horn

Von Markus Schramek

Wien – Der Unmut in der zum Covid-Stillstand verdammten Kulturszene ist so massiv, dass die Regierung immer neue Durchhalteparolen ausgibt. Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek, deren angebliches Rücktrittsangebot kursierte, ehe sie dementierte, will „noch diese Woche“ einen Stufenplan für die Wiedereröffnung des Kulturbetriebs vorlegen. Ihr grüner Parteifreund Gesundheitsminister Rudolf Anschober verlautete gestern die Öffnung „weiterer Teilbereiche der Kultur“ für den 29. Mai. Anschober denkt etwa an „kleinere und mittlere Theateraufführungen“. Die Verordnung soll am Freitag vorliegen.

Übertriebene Hoffnungen sollte sich aber niemand machen. Denn für Eva Blimlinger, die grüne Kultursprecherin im Nationalrat, ist eines unumstößlich: „Kulturveranstaltungen werden in nächster Zeit voraussichtlich überwiegend ins Freie verlegt werden müssen.“ Ein Meter Abstand und 10 m2 Platz pro Besucher seien auch „open air“ als Bedingungen zu erwarten. Events in geschlossenen Räumen haben schlechte Karten. „Große Säle führen zu einem Besucherstau zu Beginn und am Ende, da steigt das Ansteckungsrisiko“, erklärt Blimlinger im TT-Gespräch.

Die Ex-Rektorin der Akademie der bildenden Künste galt bei der Regierungsbildung von Türkis-Grün schon so gut wie fix als neue Kulturstaatssekretärin, doch Lunacek erhielt überraschend den Vorzug. Für viele wäre Blimlinger die bessere Wahl gewesen als die im Kulturbereich unerfahrene Lunacek. Das sieht wohl auch Blimlinger selbst so: „Ich habe mich geärgert, das verhehle ich nicht. Ich hätte den Job gerne gemacht“, wird Blimlinger in der Zeitschrift Woman zitiert.

Ich habe mich geärgert, das verhehle ich nicht. Ich hätte den Job gerne gemacht.
NR Eva Blimlinger (wurde als Staatssekretärin gehandelt)

Veranstaltungen bis auf Weiteres im Freien – das kommt für die noch nicht abgesagten Sommerfestivals in Bregenz (Festspiele), Innsbruck (Festwochen der Alten Musik) und Salzburg einer mittleren Katastrophe gleich.

In der Mozartstadt soll ab Juli das erste Jahrhundert der Festspiele gefeiert werden. Dazu Blimlinger: „100 Prozent Salzburg zum 100-Jahr-Jubiläum werden nicht gehen.“ Einzelne Veranstaltungen werden aber schon möglich sein: „Der ,Jedermann‘ sollte mit Abstandsregeln am Domplatz möglich sein; ins Festspielhaus kann man bei Schlechtwetter aber nicht übersiedeln.“

Ein Musikreigen ganz anderen Zuschnitts, mit gesamt 25.000 Besuchern, ist das „Poolbar“-Festival in Feldkirch (Vbg.). Dort lautet am Standort eines aufgelassenen Hallenbades in einem 4000 m2 großen Park seit 1994 das Motto „Nischen bis Pop“.

Geschäftsführer Herwig Bauer versucht einen Teil des Festivals 2020 zu retten. Die Konzerte werden ins Freie verlegt, die Gestaltung des Konzertgeländes zielt darauf ab, punktuelle Menschenansammlungen (etwa vor der Bühne) zu unterbinden. „Der Sound wird überall gleich gut sein“, verspricht Bauer. Für Blimlinger ist das Konzept in Feldkirch „best practice“: zur Nachahmung allen empfohlen, die in nächster Zeit Kultur veranstalten wollen.


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