Essen und Trinken mit Abstand: Gastronomie, Zoos, Kirchen und Museen öffnen

Ab heute sind Gasthäuser und Restaurants in Österreich wieder offen, auch manche Museen und Tierparks sperren auf. Gottesdienste erfordern Mundschutz.

Die Kaffeemaschine im Filos in Jenbach läuft wieder, Franz Sailer trägt Schutzbrille.
© APA

🍽 Gastronomie:

Mit durchsichtiger Schutzschild-Brille begrüßt Franz Sailer im Filos in Jenbach ab jetzt seine Gäste. „Sie wollen mit mir ratschen und das geht mit Maske auf Dauer nicht“, erklärt er. An der Theke fehlen nun die Barhocker. Dutzende Gäste haben schon reserviert – aus Angst, keinen Platz mehr zu bekommen in dem kleinen Café im historischen Ramminger-Haus. „Der entgangene Umsatz der letzten Wochen ist aber nicht wieder aufholbar, die Kosten gehen in die Tausende“, sagt Sailer. Staatliche Hilfe habe er keine erhalten. „Mir war als langjährigem Selbstständigem aber gleich klar, dass derartige Ankündigungen vom Staat in Österreich nie mit einfacher Abwicklung verbunden sind“, bilanziert er.

Nachzuwatten“ helfe aber jetzt nicht, es gelte positiv nach vorne zu schauen. „Und die Leute wollen auch einmal wieder über was anderes als Corona reden“, ist Sailer überzeugt. Laut einer Falstaff-Umfrage wollen 52 Prozent der Befragten sofort in ein Restaurant, 48 Prozent wollen noch abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Am meisten freuen sich die Menschen auf die „Atmosphäre“ im Lokal (54 Prozent), 51 Prozent freuen sich – zwischen sechs und 23 Uhr – auf ein Treffen mit Freunden.

Seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen hat die Gastronomie in Österreich einen Umsatzverlust von 3,8 Milliarden Euro erlitten, etwa 63 Prozent davon entfallen laut RegioPlan auf Touristen. Deshalb sperren auch viele Lokale und Restaurants, die in Tourismusregionen liegen, nicht auf, erklärt Alois Rainer, Gastronomieobmann der Wirtschaftskammer Tirol.

Die sehnlichst erwartete Wiederöffnung der Gastronomiebetriebe bringe laut RegioPlan-Berechnungen aber nur geringe Erleichterung. „Niemand weiß, ob die Öffnung der Gastronomie auch angenommen wird“, sagt Rainer. „Bei Landgasthäusern wird das Aufsperren vielleicht gut funktionieren.“ Erwartet werden trotzdem nur 20 bis 30 Prozent der normalen Umsätze.

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Rainer rechnet damit, dass in Tirol rund 80 Prozent der Betriebe aufsperren werden. „Die restlichen werden warten, bis die Hotels im nächsten Monat wieder aufmachen.“ Schwierig seien für viele Betriebe die Abstandsbestimmungen.

Zwischen den Tischen muss ein Meter Abstand sein. In einer Stube mit 60 Plätzen finden dann nur noch 35 Gäste einen Sitzplatz. Wer eine zweite Stube habe, um die gleiche Anzahl an Gästen bewirten zu können, der brauche dafür aber extra Personal. Die Frage laute also, halber Umsatz oder mehr Personal, rechnet Rainer vor. Auch das Folieren von Speisekarten und das Anfertigen von Plexiglasscheiben und Gesichtsmasken habe die Betriebe „einige Tausender“ gekostet.

Er hofft auf die Geduld und Kooperation der Gäste. Und dass viele wieder essen gehen. Laut einer Studie, welche die WKO in Auftrag gegeben hat, soll das vorzeitige Ende der Wintersaison Hotellerie und Gastronomie 1,6 Milliarden Euro gekostet haben. Im Gesamtjahr droht der Branche im Vergleich zu 2019 ein Verlust von 7,5 Milliarden Euro.

📽 Video | Gastronomie sperrt wieder auf

🖼 Museen:

Mit heutigem Tag können auch die österreichischen Museen ihre Pforten wieder für das Publikum öffnen – auch hier setzt man auf Abstandhalten und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz als Schutzmaßnahmen. „Ob Museen auch aufsperren, dürfen sie selbst entscheiden“, erklärte Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) bei der gestrigen Präsentation zur Zukunft der Tiroler Landesmuseen die Situation. In Tirol gehören die Landesmuseen mit der Hofburg zu den Vorreitern in puncto Wiederöffnung, erste Standorte sind ab heute zugänglich.

Die Option zum Aufsperren nehmen aber auch in Tirol nicht alle Museen wahr, das Taxispalais Kunsthalle Tirol oder der Kunstraum Innsbruck öffnen etwa erst mit Juni; Schloss Ambras, das dem Verband des Kunsthistorischen Museums angehört, gar erst am 2. Juli. Auf Bundesebene ergibt sich ein bunter Fleckerlteppich: In Wien startet von den Bundesmuseen lediglich das Belvedere (Standort Unteres Belvedere) mit dem heutigen Tag, das mumok öffnet am Sonntag. Leopold Museum, Albertina oder das Kunsthistorische ziehen Ende Mai nach. In den Bundesländern reagiert man da teilweise schneller: Die Oberösterreichischen Landesmuseen oder die Neue Residenz in Salzburg öffnen bereits morgen.

⛪ Gottesdienste:

Schon in der Früh gibt es am Freitag die ersten Gottesdienste in Tirol. Im Rahmen der „üblichen Gottesdienstordnung“, wie es seitens der Diözese Innsbruck gestern hieß. Sprich, so richtig auffallen werden die neuen Regelungen dann morgen und besonders am Sonntag. In der Diözese selbst ortet man eine „positive Stimmung“ und „Hoffnung“, gleichzeitig werde man wohl da und dort auch „nachjustieren müssen“, heißt es. Bekanntermaßen sind die Regeln durchwegs strikt. So gelten für öffentliche Gottesdienste 10 Quadratmeter Platz pro Person, Abstandhalten, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und regelmäßige Desinfektion.

Die Österreichische Bischofskonferenz hat am Mittwochabend zudem Detailregeln für die Feier von Gottesdiensten unter freiem Himmel erlassen, die ebenfalls ab heute möglich sind. Sie ergänzen die bereits feststehenden Regeln und enthalten auch spezielle Hinweise für das Fronleichnamsfest, das heuer nur in eingeschränkter und schlichter Form begangen werden soll. Auch wenn es gesetzlich nicht verpflichtend ist, so empfiehlt die Bischofskonferenz das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei Gottesdiensten im Freien.

Darüber hinaus sollen Desinfektionsmittel für alle sichtbar zur Verfügung stehen. Ein von der Pfarre zu stellender Willkommensdienst soll auf das Einhalten der Bestimmungen sowie eine angemessene Platzwahl hinweisen und achten. Einschränkungen gibt es beim gemeinsamen Singen und Beten, was „wie im Kirchenraum auf ein Minimum zu beschränken“ ist. Eine spielende Musikkapelle oder ein Chor sind auch im Freien nicht erlaubt.

🦌 Tierparks:

Mit Einschränkungen öffnen heute auch Tierparks wieder, so auch der Innsbrucker Alpenzoo. Die Innenbereiche müssen vorerst geschlossen bleiben. Ein „Counter“ soll die Besucher im Zoo zählen und vorab informieren, um eventuelle Stoßzeiten umgehen zu können. Auch der älteste Tiergarten der Welt in Schönbrunn öffnet wieder, mit Maskenpflicht im Eingangsbereich. (ad, bunt, mw, ver)


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