Coronavirus hält den Spielhahn heuer am Leben

In Tirols Wäldern hätte die Birkhahnjagd jetzt Hochsaison. Doch die Jäger schauen durch die Finger – den Abschussbescheiden fehlt die Rechtskraft.

Der Spielhahn kann dieser Tage ohne Gefahr abgeschossen zu werden auf die Balz gehen.
© iStockphoto

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Ihre Balzzeit können die Birkhahnen (auch Spielhahnen genannt) in diesen Tagen in aller Ruhe über die Bühne bringen. Angst, dabei als Trophäe an einer Wand zu enden, müssen sie heuer nämlich keine haben. Denn die Tiroler Jägerschaft darf ihre Flinten nicht in Anschlag bringen. Und daran ist das Coronavirus mit Schuld.

„Fast alle Abschussbescheide waren bereits ausgestellt“, schildert Landesjägermeister Anton Larcher. Larcher spricht von an die 740 Einzelbescheiden, die von den Bezirkshauptmannschaften genehmigt worden seien. Nur: Vollziehen können die Jäger die Bescheide nicht. Weil diesen noch keine Rechtskraft erwachsen ist. Denn aufgrund der Covid-19-Maßnahmen hat der Bund bis zum 30. April alle Fristen in Verwaltungsverfahren unterbrochen. Diese haben erst wieder mit 1. Mai zu Laufen begonnen. Rechnet man nun die gesetzliche Einspruchsfrist hinzu, sei das Jagdfenster eigentlich auch schon wieder zu, sagt Larcher. Jagdzeit wäre vom 1. Mai bis zum 15. Juni. Larcher rechnet damit, dass den Jägern de facto nur zwei bis drei Jagdtage übrig bleiben werden. Der Jägerverband rät deshalb seinen Mitgliedern, von der Birkhahnjagd heuer Abstand zu nehmen.

Die Einhaltung der Einspruchsfrist ist deshalb so heikel, weil das Jagdgesetz erst unlängst auf die Aarhus-Konvention adaptiert werden musste. Damit wird anerkannten Umweltorganisationen Parteistellung zuerkannt. Eine davon ist Birdlife Österreich. Deren Tiroler Landesleiterin Katharina Bergmüller bestätigt, dass man „generell gegen diese Frühjahrsbejagung“ sei. Beschwerde würde man aber heuer keine einbringen – der Aufwand für jeden Einzelbescheid sei verwaltungstechnisch zu groß. Verbleiben aber immerhin noch über 30 einspruchsberechtigte Organisationen.

Im Vorfeld, so gibt Larcher zu, habe man bei der Landespolitik interveniert, die Abschüsse statt per Einzelbescheid per Verordnung (ohne Rechtsmittelfrist) zu genehmigen. Das, so das Land, stehe aber wohl im Widerspruch zur Aarhus-Konvention. Eine Prüfung laufe. Der zuständige LHStv. Josef Geisler, verweist auf die coronabedingte Ausnahmesituation: „Angesichts der Umstände wird es verkraftbar sein, wenn die Birkhahnjagd im heurigen Jahr ausfällt.“ In einem normalen Jahr würden die Genehmigungen „ohnehin rechtzeitig rechtskräftig“. Die Jäger wollen sich aber absichern. Larcher rät deshalb dazu, Anträge für die Hahnenjagd 2021 bereits mit 1. Oktober 2020 einzubringen. Das erlaube das Jagdgesetz. Im Land will man das erst prüfen.

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