Osttiroler Schafzüchter nach drittem Wolfsriss verzweifelt

Bei Osttirols Bauern liegen die Nerven blank. Tote Schafe gab es auch in Serfaus. In Gerlos im Zillertal dürfte hingegen kein Wolf unterwegs gewesen sein.

In Tirol war in den letzten Tagen an mehreren Orten ein Wolf unterwegs. Die Sorge der Bauern ist groß.
© Getty Images/iStockphoto

Von Catharina Oblasser

Matrei i. O., Serfaus, Gerlos – Ein Schafhalter aus Matrei hat ein drittes Tier aus seiner Herde verloren. Nachdem am Montag zwei schwerverletzte Schafe getötet werden mussten, ist nun ein drittes gefunden worden, das bereits tot war. Der Amtstierarzt hat alle drei untersucht, es wurden DNA-Proben genommen.

„Anhand des Rissbildes und der dokumentierten Wolfspräsenz in diesem Gebiet ist davon auszugehen, dass die Schafe von einem Wolf gerissen wurden“, erklärt Martin Janovsky, Beauftragter des Landes Tirol für große Beutegreifer. Die DNA-Proben werden an der veterinärmedizinischen Universität in Wien untersucht, um zu sehen, ob es sich stets um ein und denselben Wolf gehandelt hat.

Das Land Tirol sagt dem betroffenen Schafbauern eine Entschädigung zu, so wie immer, wenn Nutzvieh von Raubtieren gerissen wird. „2019 gab es in ganz Tirol Entschädigungen für insgesamt 58 Schafe, die von Wolf oder Bär getötet wurden“, erklärt Christa Entstrasser-Müller, Sprecherin von LHStv. Josef Geisler. Für Schafe beträgt die Summe je nach Alter und Geschlecht des Tieres zwischen etwa 130 und 1140 Euro.

Alles gut und schön, meint Thomas Steiner, Obmann des Osttiroler Schafzuchtverbandes. Finanzielle Hilfe ist eine Erleichterung, macht den Schaden aber nicht wieder gut. Seit der Wolf gesichtet wurde, läuft bei ihm das Telefon heiß. „Die Unruhe unter den Bauern ist groß“, sagt Steiner. So würde das Auftauchen eines Raubtieres oder gar eine Attacke die Schafe naturgemäß in Panik versetzen. „Nach einem Wolfsangriff dauert es Tage, bis sie sich wieder beruhigt haben.“

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Das Land Tirol hat den Bauern ja empfohlen, die Weiden einzuzäunen oder die Tiere über Nacht in den Stall zu bringen. Leichter gesagt als getan, findet Steiner. „Bei uns sind die meisten Landwirte Nebenerwerbsbauern, da fehlt die Zeit für umfangreiche Zaunarbeiten. Und jetzt beginnt die Almsaison. Es ist undenkbar, die Tiere den Sommer über im Stall zu lassen.“ Immerhin würde das von den 18.000 Schafen, die im Bezirk Lienz gehalten werden, etwa 95 Prozent betreffen.

Auch in Serfaus wurden drei tote Schafe entdeckt. Sie hatten sich bereits auf der Alm befunden und sind wahrscheinlich ebenfalls Opfer eines Wolfs geworden. Vier weitere tote Schafe in dem Bereich werden heute begutachtet.

Anders als in Matrei und Serfaus dürfte in Gerlos kein Wolf unterwegs gewesen sein. Dort ist am Montag ein Kalb tot aufgefunden worden. „Am Kadaver sind keine Tötungsspuren zu erkennen. Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Beteiligung eines Wolfs“, fasst Martin Janovsky die Sachlage zusammen.


Kommentieren


Schlagworte