Großes Rätselraten um Neubau eines Jagdhauses in St. Ulrich am Pillersee

Nach dem Kauf von 400 Hektar Wald in St. Ulrich, dem Bau eines 800 Meter langen Weges und einer Materialseilbahn wird am Berg gesprengt.

Für den Neubau des Jagdhauses wurde eigens eine Materialseilbahn aufgestellt und ein Teil der Trasse gerodet.
© privat

Von Michael Mader

St. Ulrich a. P. – Klotzen und nicht kleckern lautete von Anfang an das Motto: Wie berichtet, haben die deutschen Milliardenerben Jürgen und Stefan Wirtgen eine Fläche von 406 Hektar in St. Ulrich am Pillersee gekauft – eine Fläche von vier Quadratkilometern. Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) sah das damals durchaus kritisch und sprach sich wieder für strengere gesetzliche Regelungen aus, „damit die regionale Agrar- und Forststruktur für die Tiroler Bauern erhalten bleibt“.

Schon zuvor waren die St. Ulricher auf Hubschrauberflüge aufmerksam geworden, als zahlreiche Hochstände in das Jagdgebiet geflogen wurden. Für die Bewirtschaftung des Waldes wurde bereits 2018 ein Lkw-tauglicher, 800 Meter langer Forstweg gebaut, für den teilweise Felsen weggesprengt werden mussten. Laut den ursprünglichen Plänen hätte der Weg bis zu einem Jagdhaus gebaut werden sollen. Der Antrag wurde aber zurückgezogen, weil die BH Kitzbühel kein öffentliches Interesse sah und keine Genehmigung erteilt hätte.

Das frühere Jagdhaus wurde abgerissen. Es wird jetzt unterkellert und oberirdisch um maximal 25 Prozent größer neu aufgebaut.
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Jetzt aktuell soll das Jagdhaus vergrößert werden. Da es sich um keine Jagdhütte, sondern um ein Jagdhaus handelt, bezieht sich die Vergrößerung in diesem speziellen Fall auf einen Abriss und einen Neubau, der oberirdisch maximal um 25 Prozent größer ausfallen darf.

Da der Weg nicht bis zum Haus geht, wurde eine eigene Materialseilbahn gebaut. Für die Trasse mussten Teile des Waldes gerodet werden. Etwas mehr als 400 Quadratmeter rund um das Jagdhaus und rund 2200 Quadratmeter für die Trassenführung, Lagerplätze für Baumaterialien und für Manipulationsbereiche. „Aus rein forstrechtlicher Sicht war das zu genehmigen“, erklärt Judith Höfinger von der BH Kitzbühel.

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Da auch eine Unterkellerung geplant ist und das Haus auf felsigem Gelände steht, muss dafür gesprengt werden. Bürgermeisterin Brigitte Lackner betont im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung mehrfach, dass alles auch naturschutzrechtlich und forstrechtlich genehmigt sei, reicht die Frage nach den genauen Ausbauplänen aber trotzdem weiter wie eine heiße Kartoffel. Das Bauansuchen sei schon mehrere Jahre alt, an Details könne sie sich nicht erinnern und verweist an den Bauamtsleiter. Der gab keine Auskunft und brachte seinen Vorgesetzten ins Spiel. Der Amtsleiter wiederum war in den Fall nicht involviert, fand im Ansuchen nur einen Technikraum und einen Kellerraum im Untergeschoß. Dessen Größe ist nämlich nicht vorgeschrieben.

Informationen, wonach im Keller ein Wellnessbereich mit Sauna geplant sei, konnte die Bürgermeisterin auf erneute Nachfrage nicht bestätigen: „Im Antrag steht das so nicht drinnen, es war lediglich einmal von einem Schlachtraum die Rede.“

Auch seitens des Landes konnte man keine Auskunft darüber geben, was genau dort oben am Berg gebaut wird. Peter Hollmann, Leiter der Abteilung Raumordnung, bestätigte lediglich die Rechtmäßigkeit der Widmung, die für das bestehende Gebäude im Freiland nicht geändert werden musste. Ein Ansuchen für einen Wasser,- Kanal- und Stromanschluss ist dem Vernehmen nach vorerst wieder zurückgezogen worden.

Jürgen und Stefan Wirtgen waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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