Tirols Gewerbe klagt über zu viel Bürokratie

Die Spartenvertreter pochen vehement auf die Senkung der Lohnkosten und werben mit offenen Lehrstellen.

„Es gibt betroffene und stark betroffene Betriebe, Gewinner gibt es in dieser Krise keine.“ – Franz Jirka (Spartenobmann Gewerbe und Handwerk)
© WKT

Innsbruck – Insgesamt 120 Berufe – vom Bauarbeiter über den Installateur bis zum Masseur – vereint die Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer. Trotz der Vielfalt gebe es keinen Betrieb, der von der Corona-Krise nicht betroffen sei, sagte Tirols Spartenobmann Franz Jirka bei einem Online-Pressegespräch. „Es gibt betroffene und stark betroffene Betriebe, Gewinner gibt es in dieser Krise keine.“

Die Bauwirtschaft ist eine der wenigen Sparten, die trotz strenger Ausgangsbeschränkungen weiter arbeiten konnte – natürlich mit Auflagen. „Damit hat die Wirtschaft nicht gänzlich eine Vollbremsung hingelegt, das war auch gut so“, blickte Jirka auf den Beginn der Pandemie-Maßnahmen zurück. Und nach einer etwa zehn Tage dauernden „Schockstarre“ hätten auch viele Unternehmer wieder mit der Arbeit begonnen. Jirka: „Schaumgebremst, aber doch.“

Nun hoffen die Betriebe auf einen Bürokratieabbau, berichtete der Spartenobmann. So seien die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung sowie die Evaluierung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zu überdenken, forderte Jirka, notwendig sei außerdem die lange angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten. Und schließlich bräuchten Lehrlinge und Handwerker endlich „Anerkennung“ für ihre auch in der Krise geleistete Arbeit.

„Lehrlinge und Fachkräfte werden verzweifelt gesucht“, betonte auch Christian Dollinger, Landesinnungsmeister der Metalltechniker. David Narr, Lehrlingskoordinator der Wirtschaftskammer Tirol, berichtete von „100 offenen Lehrstellen bei Tiroler Schlosserbetrieben“, beim AMS seien insgesamt 2257 offene Stellen gemeldet. Eine Lehre sei „krisensicher und sinnvoll“, betonte er.

Landesinnungsmeister Dollinger zeigte außerdem auf, dass verkürzte Prüffristen und Zahlungsziele vor allem bei öffentlichen Aufträgen dazu beitragen können, die derzeit so wichtige Liquidität der Betriebe zu sichern. Denn manchmal dauere es nach geleisteter Arbeit „vier, fünf Monate, bis der Geldfluss ins Rollen kommt“, erzählte Dollinger. (ritz)


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