Mit bunten Wänden: Leiser Vorgeschmack auf das Ferdinandeum neu

Die Wände des nun wieder offenen Ferdinandeums sind bunt, die Kunst ist neu arrangiert. In der Kasse klafft durch die Schließzeit ein großes Loch.

„Blaue Stunde“ mit Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts.
© Wolfgang Lackner

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Ihre unfreiwillige Schließzeit haben die nur wieder offenen fünf landesmusealen Häuser intensiv genutzt. Es wurde gründlich aufgeräumt, es gab endlich Zeit zum Forschen und weitere Teile der Sammlung im Ferdinandeum neu aufzustellen. Sozusagen als „Vorgeschmack auf das neue Museum“, sagt Direktor Peter Assmann. Wann dieses Realität wird, werde man Anfang Juni erfahren. Das Jubiläumsjahr 2023 sei diesbezüglich nicht der entscheidende Punkt, Qualität eindeutig wichtiger als Geschwindigkeit.

Offensichtlicher Beweis dafür, was sich hinter geschlossenen Museumstüren getan hat, ist die Neuaufstellung der Kunst von der Barockzeit bis 1900 im Ferdinandeum. Die nun raffiniert vor kräftig roten bzw. atmosphärisch blauen Wänden inszeniert wird, inklusive historischer Musikinstrumente und handschriftlicher Partituren. In ein dunkelrotes Ambiente getaucht sind dagegen die neu eingerichteten Grafikkabinette. Was hier gezeigt wird, muss aus konservatorischen Gründen alle drei Monate gewechselt werden. Kein Problem für Ralf Bormann, den für die mit rund 30.000 Blättern bestückte Grafiksammlung zuständigen Kustos. Zum Auftakt hat er 32 exquisite Blätter aus dem Depot geholt, in denen Tiroler Barockkünstler das Thema des sterbenden bzw. toten Jesus umkreisen.

Während Christoph Hinterhubers monumentale Neon-Installation „de-decode, de-recode, re-decode, re-recode“ bereits seit 18. März nächtens vom Dach des Ferdinandeums leuchtet, ist in der musealen Studiogalerie nun auch seine 2004 entstandene sechsteilige Arbeit „Dancefloor“ zu sehen. In weißen Leuchtbuchstaben sind da Botschaften wie „Denken in Mustern“ oder „In der Zukunft leben“ zu lesen, in subversiver Poesie die höchst aktuelle Frage aufwerfend, in welcher Art von Demokratie wir leben bzw. leben wollen.

Es sei allerhöchste Zeit, dass nun alle fünf landesmusealen Spielorte wieder für die Besucher offen sind, sagt Peter Assmann, auch wenn man angesichts der notwendigen Schutzmaßnahmen von musealer Normalität derzeit noch weit entfernt sei. Durch den Wegfall der Eintrittsgelder in der Höhe von rund 700.000 Euro sei die finanzielle Lage „katastrophal“. Allerdings – die Besucher fremdeln noch. Hatten am ersten Wochenende der bereits seit 15. Mai wieder offenen Volkskunstmuseum, Tirol Panorama und Hofkirche doch ganze 476 Besucher Lust auf Museum.


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