Überlebender nach Tragödie am Plansee: "Der Schock sitzt noch tief"

Armin Sakanovic konnte sich Montagabend aus einem Unfallwrack im Plansee befreien. Die Bilder des Unglücks haben sich eingebrannt. Jetzt fordert er bauliche Maßnahmen.

Armin Sakanovic nachdenklich an der Unfallstelle am Plansee: Dass er überlebt hat, grenzt für den 18-jährigen Reuttener an ein Wunder.
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Von Simone Tschol

Reutte – „Die Bilder ziehen den ganzen Tag in meinem Kopf vorbei, jede Minute.“ Armin Sakanovic fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden.

Der 18-jährige Reuttener saß Montagabend am Beifahrersitz jenes Pkw, der in den Plansee stürzte und sank. „Ich habe Alex, den Lenker, erst am Tag des Unfalls an einer Tankstelle in Reutte kennen gelernt. Da ich verrückt nach Sportwagen bin und sein Wagen 400 PS hatte, habe ich gesagt, er soll mir den Wagen mal zeigen.“

Armin Sakanovic (Überlebender): „Da muss was gemacht werden. Ich hätte auch mein Leben verlieren, alles verpassen können.“
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Der Weg führte die beiden zum Plansee. An das Unglück kann sich Sakanovic noch bis ins kleinste Detail erinnern. „Wir waren viel zu schnell dran. Zuerst ist das Heck des Wagens im Kies ausgebrochen, dann hat Alex gegen­gesteuert. Der Wagen fuhr Richtung Wasser und dann war da dieser Baum, der uns sicher 20 Meter rauskatapultiert hat“, erzählt er. In diesem Moment habe er reflexartig seinen Gurt geöffnet. Dann sei der Wagen auch schon auf dem Dach im See gelandet und gesunken. Saka­novic konnte sich durch die zerborstene Heckscheibe des Autos befreien. Dem 24-jährigen deutschen Lenker gelang es nicht. Er ertrank.

Dass er den Unfall nicht nur lebend, sondern sogar ohne einen einzigen Kratzer überstanden hat, grenzt für den jungen Reuttener an ein Wunder: „Aber der Schock sitzt noch tief. Die Bilder des Unfalls haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt.“

Jetzt will Sakanovic dafür sorgen, dass anderen Verkehrsteilnehmern solche Erfahrungen erspart bleiben, nicht noch mehr Angehörige ihre Lieben zu Grabe zu tragen müssen. „Die Straße entlang des Plansees ist viel zu gefährlich. Da muss was gemacht werden“, ist er überzeugt und fügt hinzu: „Der Junge war erst 24 Jahre alt. Ich hätte auch mein Leben verlieren, alles verpassen können, was noch kommt.“

Seine Zwillingsschwester Armina hat inzwischen auf avaaz.org eine Petition gestartet. Diese wurde bis gestern knapp 350-mal unterzeichnet. „Mein Bruder hatte einen riesengroßen Schutzengel und hat sein Leben behalten dürfen – durch Glück. Aber Glück hat man nicht immer. Viele junge Menschen haben ihr Leben verloren, viele, die uns wichtig waren. Und wenn es so bleibt, werden wir wieder Menschen verlieren, die uns viel bedeuten.“

Die geltende Tempobeschränkung von 50 km/h entlang des Plansees halten Armina und Armin zwar für gut, aber längst nicht für ausreichend. Sie fordern deshalb zusätzliche bauliche Maßnahmen. „Wir wollen aber keine Leitplanken, wie sie schon so oft nach Unfällen am Plansee gefordert wurden. Denn diese wären für Motorradfahrer zu gefährlich. Wir wollen stattdessen Bremsschwellen, entweder auf den kurzen Geraden, damit man gar nicht erst so beschleunigen kann, oder vor und nach unfallträchtigen Kurven, damit man diese nur langsam befahren kann“, beschreiben die Geschwister ihr Ansinnen. Halt findet Sakanovic bei Familie und Freunden. Sie helfen ihm dabei, das Erlebte aufzuarbeiten.

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