Zu kostbar für den Müll: Initiative „Too Good To Go” rettet Lebensmittel

Nur allzu oft landen Lebensmittel im Müll. Die Initiative „Too Good To Go“ will das verhindern und startet nun auch in Tirol – der größte Partner ist der Bäcker Ruetz.

Drei, die Lebensmittelverschwendung vermeiden wollen: Georg Strasser, Georg Willi und Christian Ruetz (v. l.).
© Rapp

Von Irene Rapp

Innsbruck – Georg Willi wuchs in einer Familie mit acht Kindern auf. Zu einer Zeit, „wo es noch nicht so dick war“, wie sich Innsbrucks Bürgermeister erinnert. Lebensmittel wurden damals nicht weggeschmissen, alles – bis hin zum harten Brot – fand Verwendung.

Auch in den über 30 Filialen der Bäcker-Ruetz-Kette in Tirol landet am Ende des Tages nicht verkaufte Ware nicht im Müll. „Wir betreiben sehr viel Aufwand in der Rezeptur sowie Produktion und kaufen die Zutaten bei lokalen Bauern – wir wollen einfach nicht für die Tonne produzieren“ erzählt Christian Ruetz.

Übriggebliebene Ware würde daher u. a. karitativen Vereinen oder Landwirten als Tierfutter zur Verfügung gestellt. Ab Montag bekommen kurz vor Ladenschluss übriggebliebene Produkte aber noch eine weitere Chance. Dann können Kunden ein Sackerl erstehen – zu einem Preis von 3,99 Euro, gefüllt allerdings mit Backware um 12 Euro.

„Too Good To Go“ nennt sich die Initiative dahinter, die seit August 2019 in Österreich versucht, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Das Konzept ist schnell erklärt: „Partnerbetriebe verkaufen am Ende des Tages übriggebliebenes Essen bzw. Mahlzeiten zu einem vergünstigten Preis“, sagt Georg Strasser von der Initiative. Denn kein Unternehmen könne zu 100 Prozent genau den Lebensmittelbedarf planen, allerdings solle auch nicht für diese Aktion speziell produziert werden. „Im Vordergrund steht, Lebensmittel zu retten“, betont Strasser.

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Dass das gelingt, zeigen die Zahlen: 600 Betriebe in Österreich würden sich bislang daran beteiligen, in Tirol seien es an die 60. „Und es werden mehr“, berichtet Strasser. So sei es in den vergangenen Monaten gelungen, 200.000 Kilo Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren, was Tausende eingesparte Tonnen CO2 bedeutet. „Die Kunden sind begeistert“, hat Christian Ruetz jedenfalls die Erfahrung gemacht. In zwei Filialen wurde Anfang April mit „Too Good To Go“ gestartet, ab Montag werden 20 weitere dazukommen. Über eine App kann man dann sehen, welche Filiale Sackerln mit Inhalt anbietet, sich diese online reservieren und dann kurz vor Ladenschluss abholen. „Pro Filiale werden drei Sackerln erhältlich sein“ verrät Ruetz.

Weil jedoch unterschiedlichste Betriebe – vom Bäcker bis zum Caterer – mitmachen, werden drei Sackerln mit unterschiedlich viel Inhalt angeboten: einmal zu einem Preis von 2,99 Euro (Verkaufspreis 10 Euro), einmal zu 3,99 € (12 €) und einmal zu 4,99 € (15 €).

Auch Bürgermeister Willi schwärmt von dem Konzept, sogar eine Teilnahme städtischer Betriebe ist bereits angedacht. „Es muss ein Umdenken stattfinden. Denn durch die Klimakrise wird die Produktion von Lebensmitteln immer aufwändiger und schwieriger. Deswegen können wir es uns nicht leisten, Lebensmittel wegzuwerfen.“

Dazu passt das Ergebnis einer Umfrage, die unter „Too Good To Go“-Kunden gemacht worden ist. „An erster Stelle, sich daran zu beteiligen, stand die Motivation, Essen zu retten. An zweiter Stelle der Überraschungseffekt. Denn keiner weiß genau, was in dem Sackerl ist. Und erst an dritter Stelle wurde das Argument des günstigen Preises genannt“, berichtet Strasser.


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