Gedenken an Otto Neururer: Er segnete noch seine Schergen

Vor 80 Jahren, am 30. Mai 1940, wurde Pfarrer Otto Neururer im KZ Buchenwald zu Tode gefoltert. Seiner wird am Samstag hochoffiziellgedacht, aber in kleinem Rahmen.

Häftling Nummer 4757, Pfarrer Otto Neururer (Bild des Imster Künstlers Elmar Peintner), wurde vor 80 Jahren auf grausame Weise im KZ Buchenwald umgebracht.
© Peintner

Von Alexander Paschinger

Götzens, Piller – 34 Stunden, heißt es, habe das Martyrium gedauert. So lange hatte man Otto Neururer, den damaligen Pfarrer von Götzens, im KZ Buchenwald nackt und an den Füßen mit dem Kopf nach unten aufgehängt, bis der Tod eintrat. „Herzversagen“ lautete die Todesursache, die die Nazis angaben. Die Leiche wurde verbrannt und die Asche nach Innsbruck geschickt. „Man hatte wohl Angst vor der Reaktion in der kirchlichen Bevölkerung, immerhin war er der erste ermordete Priester im KZ Buchenwald“, erklärt der heutige Pfarrer von Götzens, Peter Ferner. Er hat die zehn Bände des Seligsprechungsprozesses gelesen. Papst Johannes Paul II. hatte den am 25. März 1882 in Piller geborenen Otto Neururer im Jahr 1996 seliggesprochen.

Als zwölftes Kind eines Müllers im Fließer Weiler Piller wollte Otto schon in jungen Jahren Priester werden. Sein Weg führte daher nach Südtirol, in das bischöfliche Knabenseminar Vinzentinum in Brixen. In Brixen wurde er 1907 auch zum Priester geweiht, es folgte eine Tätigkeit als Katechet in Uderns, Fiss, Kappl, Silz, Oberhofen, Hall und Innsbruck, bevor er 1932 Pfarrer in Götzens wurde.

Dort wurde ihm 1938 sein Ratschlag an eine junge Frau zum Verhängnis: Er riet dieser davon ab, einen aus der Kirche ausgetretenen und geschiedenen SA-Mann zu heiraten. Der Pfarrer wurde am 15. Dezember 1938 von der Gestapo verhaftet und nach Innsbruck gebracht. Am 3. März 1939 überstellten die Nazis Neururer ins KZ Dachau, am 26. September lieferte man ihn ins KZ Buchenwald ein.

Er habe sein weniges Brot geteilt, Seelsorge betrieben, sei für seine Mitgefangenen dagewesen, habe andere aufgerichtet, beschreibt Pfarrer Ferner. Im April 1940 kam ein Mithäftling, der getauft werden wollte, auf Neururer und dessen Priesterkollegen Matthias Spanlang zu. Diese begannen mit dem Glaubensunterricht, doch die verbotene Religionsausübung flog auf. Neururer und Spanlang kamen in Sonderhaft. „Es gibt verschiedene Angaben, wie lange sein Martyrium gedauert hat“, sagt Pfarrer Ferner. „Er hat aber seinen vermummten Schergen verziehen, er hat sie noch gesegnet, als sie ihn umgekehrt aufhängten“, weiß er aus den Akten des Seligsprechungsprozesses. Neurer starb am 30. Mai 1940, Spanlangs Tod wurde vier Tage später beim Gefangenenappell im KZ Buchenwald bekannt gegeben.

Auch die Hinrichtung von Provikar Carl Lampert 1944 steht in engem Zusammenhang mit Neururer, hatte er doch in der Todesanzeige Neururers im Kirchenblatt erwähnt, dass „sein Sterben unvergessen“ bleibe, und damit den Hass der Nazis auch auf seine Person gelenkt.

„Wir hätten für den 30. Mai ein so großes Programm vorgehabt“, bedauert Ferner. Bedingt durch Corona muss auf eine große Veranstaltung verzichtet werden. Am Samstag, den 30. Mai, gibt es um 18.30 Uhr zunächst eine Kranzniederlegung vor der Götzner Kirche, um 19 Uhr einen Gottesdienst mit Bischof Hermann Glettler. Auch in Piller, Neururers Geburtsort, wird am Samstag um 19.30 Uhr eine Messe im Gedenken an den 80. Todestag des seligen Tiroler Märtyrers gefeiert.


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