Landesmuseen-Chef: "Keine Feindliche Übernahme"

Nach einer Corona-bedingten Pause laufen die Gespräche um die Zukunft der Kunsthalle Tirol weiter. Palfrader will spätestens 2021 „neu starten“.

Der Taxispalais in der Maria-Theresien-Straße.
© Vanessa Rachle / TT

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Dass sich im Taxispalais Kunsthalle Tirol etwas verändern muss, war nach der Überprüfung durch den Landesrechnungshof 2019 vorauszusehen. Weil Besucherzahlen und Erträge nicht den Erwartungen entsprachen, empfahl das Kontrollorgan indirekt eine Eingliederung der Kunsthalle in die Tiroler Landesmuseen (TLM). Kein neuer Vorschlag, bereits 2006 wurde er diskutiert.

Jetzt nimmt die Diskussion erneut Schwung auf: Wie gestern bekannt wurde, befürwortet die schwarz-grüne Landesregierung in ihrer Stellungnahme zu einem neuerlichen Überprüfungsbericht des Rechnungshofs vom April 2020 die Eingliederung der Kunsthalle Tirol in die TLM- GmbH – allerdings als Tochtergesellschaft. Aus kaufmännischer Sicht sollen in Zukunft also die Landesmuseen das Sagen haben. Als Vorbild fungieren hier die Festwochen der Alten Musik, die 2016 in die Tiroler Landestheater GmbH übernommen wurden.

Bereits Ende 2019 stellte Kulturlandesrätin Beate Palfrader dieses Modell als mögliche Lösung für die Landesgalerie vor. Gestern bestätigte sie das Vorhaben der Landesregierung auf Nachfrage der TT. Wie genau das Andockmanöver vonstattengehen könnte, rechtlich, technisch und personell, gelte es aber noch zu klären. „Mir geht es darum, die Kunsthalle Tirol als Ort der kritischen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst weiterzuentwickeln“, erklärt Palfrader. „In der Administration, im Management, in den technischen Diensten oder in der Öffentlichkeitsarbeit sind Synergien zu erwarten, wenn eine enge Kooperation mit den Landesmuseen stattfindet“, so Palfrader, die im gleichen Atemzug betont, dass es bei der „betriebswirtschaftlichen Annäherung“ jedoch weder um Einsparungen noch um programmatische Änderungen gehe.

Bedenken um die künstlerische Freiheit gab es vor vier Jahren auch bei der Eingliederung der Festwochen. Noch im Dezember betonte Nina Tabassomi, Leiterin der Kunsthalle Tirol, deshalb, dass es in der Debatte zum Taxispalais vor allem um die Erhaltung der Vielfalt der Gegenwartskunst in Innsbruck gehe. „Noch ist nichts entschieden“, sagte Tabassomi gestern, mitten in der Vorbereitung auf die morgige Wiedereröffnung des Taxispalais samt neuer Ausstellung. Die Gespräche seien jetzt nach einer Corona-bedingten Pause wieder am Laufen, ebenso wie die Prüfung unterschiedlicher Modelle, so Tabassomi. Zu einer Entscheidung äußern will sie sich erst, wenn eine solche feststeht.

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Ähnlich argumentiert auch TLM-Direktor Peter Assmann, der – was budgetäre Fragen anbelangt – zukünftig auch für die Kunsthalle Tirol verantwortlich wäre. Ziel der Gespräche war laut Assmann eine „gute Lösung“. Die Debatte verlangt nach einer Entscheidung – die Vorteile durch eine „teilweise Eingliederung unter Wahrung der künstlerischen Eigenständigkeit“ lägen für ihn aber auf der Hand. „Hier geht es natürlich nicht um eine feindliche Übernahme“, so der Museumschef. Wie die Einbindung als Tochtergesellschaft aussehen kann, das müsse nun ausdefiniert werden.

Laut Palfrader soll in Absprache mit den Verantwortlichen demnächst eine Entscheidung getroffen werden. Spätestens mit Jahresanfang will sie mit dem Taxispalais „neu starten“.


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