Auf dem Rücken der Pferde durch schwierige Zeiten

Etlichen Reitschulen machte die coronabedingte Schließung schwer zu schaffen. So auch jener in Pertisau. Jetzt geht es wieder bergauf.

Mit Mundschutz zur Reitstunde: Günther Seewald und Reinhilde Mlekusch.
© Dähling

Von Angela Dähling

Pertisau – Es gab bange Zeiten in den letzten Wochen für Alexandra Entner. Die Pferdewirtschaftsfacharbeiterin und Reitlehrerin von der zum Hotel Wiesenhof gehörenden Reitschule in Pertisau war schon auf das Schlimmste eingestellt: dass aufgrund der coronabedingten Schließung etliche Schulpferde verkauft werden müssen. „Denn die Kosten für die Tiere liefen weiter – bei null Einnahmen und der Ungewissheit, wie lange dieser Zustand noch andauern wird“, erzählt sie. Zirka 170 bis 200 Euro reine Versorgungskosten pro Pferd würden monatlich anfallen. „Und unser Reitbetrieb ist zu 90 Prozent von Urlaubsgästen abhängig“, ergänzt sie.

Mit 5. Mai durften unter strengen Auflagen hinsichtlich Mundschutz, Desinfektion, Gruppengröße etc., die Entner penibelst einhält, die Reitschulen wieder aufgesperrt werden. „Die Zeit der Hoffnungslosigkeit ist nun zum Glück vorbei“, sagt die Westernreiterin erleichtert. Grund dafür seien viele einheimische Schüler, die sie durch das Buchen von Reitstunden unterstützen und die Schule somit am Leben erhalten. „Für diese Solidarität bin ich wirklich dankbar“, betont Entner. Ab Mitte Juni ist dann auch wieder mit deutschen Gästen zu rechnen.

Reitlehrerin Alexandra Entner kann wieder aufatmen.
© Dähling

Besonders freut die Achentalerin, die derzeit in Kurzarbeit ist, dass sich immer mehr Erwachsene mit dem Reitenlernen einen Kindheitstraum erfüllen. „Dass sie sich da mir und unseren Pferden anvertrauen, ist die höchste Ehre für mich. Schließlich ist ein hohes Verletzungsrisiko mit diesem Sport verbunden“, sagt Entner. Ihre älteste Schülerin ist übrigens über 70 Jahre alt. Auch der Innsbrucker Psychotherapeut Günther Seewald und Psychiaterin Reinhilde Mlekusch nehmen Reitstunden bei Entner. „Der Umgang mit dem Pferd und das Berühren ist gerade in Corona-Zeiten auch eine sinnliche Erfahrung“, meint Seewald. Für ihn kommt das Reiten einer Achtsamkeitsschulung gleich. „Es geht um Beziehungsfähigkeit, Vertrauen aufbauen, Grenzen setzen, Einfühlungsvermögen und Entschlossenheit“, meint er. Mit dem Pferd eins zu werden und getragen zu werden, vermittle ein Geborgenheitsgefühl, ergänzt Mlekusch.

Einer, der sich mittlerweile intensiv für die Reitschulen einsetzt, ist Klaus Haim vom Schindelhof in Gnadenwald. Als Präsident des Tiroler und Vizepräsident des Österreichischen Pferdesportverbands sind Reitschulen für ihn „einer der wichtigsten Bestandteile des Verbandes und wir müssen sie besser einbinden“. Denn ohne Reiternachwuchs gebe es auch keinen Pferdesport. Mit 2500 kg Gratis-Heu habe man ab Mitte März die Schulen unterstützt. „Mit Reitstunden ist kein großes Geld zu verdienen. Das sind dort fast alles Idealisten. Ich schätze das sehr“, sagt er.

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Drei Reitschulen seien vor zwei Jahren gelistet gewesen, laut Google boten 44 Betriebe Reitunterricht an. „Darunter bäuerliche, für die das ein kleiner Nebenerwerb ist, aber auch die zu Hotels gehörenden.“ Vor einem Jahr lud Haim alle an einen Tisch, seither wird an besserer Vernetzung gearbeitet. Haim: „Wir machen eine neue Homepage, auf der wir Reitschulen mehr Platz geben und erläutern, auf was sie sich spezialisiert haben.“


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