Weltnichtrauchertag: Schon viele junge Raucher mit Lungenkrebs

Der heutige Weltnichtrauchertag ist vor allem dem Schutz der Jugend gewidmet. Tatsächlich erkranken immer mehr junge Raucher an schweren Lungenleiden.

Jugendliche als Zielgruppe der Tabakindustrie: Die WHO prangert manipulative Methoden an.
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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Die Verkaufszahlen für Tabakwaren sinken zwar etwas, doch bei der Anzahl der Erkrankungen wird sich der Trend wohl noch lange nicht bemerkbar machen. Denn sie können oft erst mit großer Verzögerung von 20 bis 30 Jahren auftreten, wie Markus Stein, geschäftsführender Oberarzt der Pneumologie am Landeskrankenhaus Natters, sagt. Auch wer ganz mit dem Rauchen aufhört, hat längere Zeit ein erhöhtes Risiko, an einem schweren Lungenleiden zu erkranken.

Die Patienten Anfang 30, die derzeit vermehrt in Behandlung sind, haben häufig schon sehr früh damit angefangen. Im Vergleich zu früher, als das Einstiegs­alter in Österreich noch bei etwa 18 bis 20 Jahren lag, sind es inzwischen schon 13- bis 15-Jährige, die das erste Mal zu Zigaretten oder anderen Tabakwaren greifen. Dadurch steigt auch die Anzahl der jungen Erkrankten mit schwerer COPD (chronic obstructive pulmonary disease), einer dauerhaften Verengung der Atemwege, oder mit Lungentumoren, berichtet Stein. „Früher war es sehr selten, dass wir so junge Patienten bei uns hatten, jetzt sind es auffallend viele.“

Anlässlich dieser Entwicklung hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den diesjährigen Weltnichtrauchertag heute am 31. Mai dem Schutz der jüngeren Generation gewidmet. Für die Tabakindustrie seien junge Menschen eine vielversprechende und anfällige Zielgruppe für ihre süchtig machenden Produkte, heißt es dazu. Die WHO spricht von einer Herausforderung für die mit der Tabakbekämpfung befassten politischen Entscheidungsträger eines jeden Landes. In Europa rauchen 11,5 Prozent der Mädchen und 13,8 Prozent der Burschen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren.

Angeprangert werden vor allem manipulative Methoden der Vermarktung: So wenden sich Tabakfirmen vermehrt Influencern in den sozialen Medien zu. Diese Art von Werbung umgehe häufig die herkömmlichen Beschränkungen für Werbung und Verkaufsförderung, da die Produktplatzierung von Tabakerzeugnissen online nicht als Werbung gekennzeichnet ist, sondern heimlich in andere Inhalte eingebettet wird. Eine besorgniserregende Entwicklung: Junge Frauen und Mädchen sind eine der wichtigsten Zielgruppen von Influencern.

Im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen zählen Lungentumore bei Frauen inzwischen zur zweithäufigsten Todesursache, verweist Pulmologe Stein auf Statistiken. Bei Männern ist es die am häufigsten zum Tod führende Tumorart. Rund 4000 Tote werden durchschnittlich pro Jahr in Österreich gezählt.

Er kritisiert die späte Umsetzung des generellen Rauchverbots in der Gastronomie in Österreich: „Das hat leider viel zu lange gedauert. In Italien, Spanien, Irland und vielen anderen Ländern hat die Umsetzung ohne größere Probleme funktioniert.“ Auch bei E-Zigaretten sollte man sehr vorsichtig sein. „Sie können bei der Entwöhnung helfen. Bei jungen Menschen aber sind sie häufig der Einstieg in die Nikotinabhängigkeit. Die Gefahr ist sehr groß.“ Er empfiehlt, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Wieder aufzuhören, das schaffen – je nach Statistik – nur zwischen 5 und 20 Prozent.

Corona-Patienten wurden in Natters keine behandelt, wie in anderen Krankenhäusern wurden aber Betten freigehalten. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es auch andere schwere Erkrankungen gibt, die wir behandeln müssen.“ Aus Angst, sich anzustecken, hätten viele Patienten in den vergangenen Wochen den Weg zum Doktor gemieden. „Das haben mir viele Lungenfachärzte bestätigt.“ Das führte dazu, dass sich viele Patienten erst mit sehr ernsten Beschwerden an ihren Facharzt wandten oder sich im Krankenhaus anmeldeten.

Jeder zweite Lehrling raucht

Anlässlich des Weltnichtrauchertags erinnert die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) an das Unterstützungsangebot beim Rauchausstieg. „Unser mit Tiroler Suchtexperten entwickeltes Entwöhnungsprogramm ist kostenlos und bietet einen ganzheitlichen Ansatz mit professioneller psychischer und medizinischer Begleitung“, sagt Arno Melitopulos-Daum, Leiter der ÖGK Landesstelle Tirol. Nach der Corona-bedingten Pause starten die Kurse im Juni wieder.

Ein spezielles Angebot für junge Menschen ist die Rauchfrei-App. Während der Raucheranteil unter Schülern sinkt, ist das Rauchen bei Lehrlingen nach wie vor weit verbreitet: Jeder zweite Lehrling greift zum Glimmstängel, die Hälfte davon täglich. Näheres: www.bin-rauchfrei.tirol und www.rauchfreiapp.at


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