Lienzer Talboden: 30 Millionen für gemeinsame Sache

Die 15 Gemeinden des Lienzer Talbodens planen ein gemeinsames Gewerbegebiet mit vier Schwerpunkten. Eine neue Genossenschaft soll Gründe für die rasche Verfügbarkeit aufkaufen. Man hofft auch auf Fördergeld aus Wien.

Der Lienzer Talboden (hier der Blick vom Helenenkirchl) umfasst 15 Gemeinden, die in einem Planungsverband zusammengefasst sind.
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Von Catharina Oblasser

Lienz –Zusammenarbeit statt Konkurrenz: Das ist das Wesentliche am gemeinsamen Gewerbegebiet, das der Planungsverband Lienzer Talboden plant. Jede Gemeinde ist darauf aus, neue Betriebe anzusiedeln, da das Kommunalsteuern einbringt. Es hat aber wenig Sinn, wenn ein Ort versucht, durch besonders billige Bedingungen dem Nachbarn eine Betriebsansiedelung wegzuschnappen.

Ein gemeinsames Gewerbegebiet hat den Sinn, dass alle von der Kommunalsteuer profitieren. Denn auch die Gemeinden, die die Firma nicht auf ihrem Grund und Boden beherbergen, bekommen einen gewissen Anteil am Kuchen. Vorgesehen ist, dass die Standortgemeinde des künftigen Betriebes, der sich ansiedelt, die Hälfte der Kommunalsteuer erhält. Die zweite Hälfte wird nach einem bestimmten Schlüssel auf die anderen 14 Gemeinden aufgeteilt.

Das Projekt läuft schon länger, weiß Josef Mair, der als Obmann des Planungsverbandes Lienzer Talboden das Vorhaben leitet. Er ist es auch, der den Antrag auf Unterstützung von Bundesseite gestellt hat. Von etwa 30 Millionen Euro ist die Rede, die den Weg zum gemeindeübergreifenden Gebiet ebnen sollen. Es braucht entsprechende Erschließungen der Gründe, zum Beispiel mit Zufahrten, schnellem Internet, Öffis, Strom und Wasser.

Mehrere Schwerpunkte geplant

Die anzusiedelnden Betriebe sollen nicht wahllos im Talboden verteilt werden, sondern nach mehreren Schwerpunkten. Einmal geht es um schwere Güter wie etwa Holz. Dafür ist ein Gebiet geeignet, das über einen Bahnanschluss verfügt. Ein zweiter Schwerpunkt ist die Lebensmittelproduktion mit verwandten Branchen, ein dritter der Hightech-Bereich. Wer den Lienzer Talboden kennt, kann sich in etwa ausmalen, in welchen der 15 Gemeinden diese Schwerpunktzonen liegen könnten. Dennoch bleiben die genauen Standorte vorerst geheim, sagt Oskar Januschke vom Lienzer Stadtmarketing, der federführend am Projekt beteiligt ist. „Wir wollen vermeiden, dass im Vorfeld die Preise für die betreffenden Grundstücke in die Höhe schießen.“ Die Gesamtfläche aller Schwerpunktzonen ist 66 Hektar groß.

Diese Genossenschaft soll die Gründe ankaufen, sodass sie im Fall des Falles sofort verfügbar sind.
Planungsverbandsobmann Josef Mair

Apropos Grundstücke: Ziel ist es, dass jeder Interessent, der sich im Lienzer Talboden mit seiner Firma niederlassen will, ein maßgefertigtes Angebot mit voller Erschließung vorfindet – und dass er den Grund ohne langwierige Verhandlungen mit mehreren unterschiedlichen Eigentümern bekommt. „Wir führen Gespräche mit einer Bank, um eine Genossenschaft zu gründen“, führt Planungsverbandsobmann Josef Mair aus.

Das Land Tirol hat dem Planungsverband seine Unterstützung zugesagt, meint der zuständige Landesrat Johannes Tratter. „In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass gemeindeübergreifende Projekte oft der Schlüssel zum Erfolg sind“, erklärt der Landesrat. „Die 15 Gemeinden des Planungsverbandes Lienzer Talboden planen ein Gewerbegebiet in einer neuen Dimension. Dies könnte sich durchaus zu einem zukunftsweisenden Projekt – auch als Beispiel für andere Regionen – entwickeln.“


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