Gutscheine heizen in Wörgl die Umsätze an, Reutte will folgen

Reutte will, Wörgl praktiziert es schon: Corona-Hilfe als Stärkung heimischer Geschäfte. In Wörgl sind schon 30.000 Gutscheine verkauft worden.

Die Stadt Wörgl ist auf dem bestem Weg, mittels Gutscheinen eine regionale Wertschöpfung von einer Million Euro freizusetzen.
© Stadtgemeinde Wörgl

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Wörgl –Die Marktgemeinde Reutte will Corona-Auswirkungen abfedern helfen. „Viele sind wirklich schwer getroffen – kleine Geschäfte wie auch Privatpersonen“, erklärte Vize-BM Klaus Schimana und brachte mit seiner VP-Fraktion den Antrag ein, dafür 300.000 Euro als Soforthilfe formlos zur Verfügung zu stellen. Die Idee fand im Gemeinderat, wie berichtet, große Zustimmung. BM Alois Oberer und seine Mehrheitsfraktion winkten die VP-Idee aber nicht sofort durch, weil sie Bedenken wegen einer Kannibalisierung der Förderungen hatten. Soll beispielsweise heißen: 1000 Euro, die die Gemeinde Reutte jemandem zukommen lässt, müssten bei einer Person oder Firma zustehenden Bundesförderungen sofort wieder abgezogen werden. Damit wäre die lokale Hilfe umsonst gewesen.

Nun wird in den Ausschüssen ein neues Modell beraten. Die Gemeinde Reutte könnte jedem der 7000 Reuttener Bürger beim Erwerb eines Kaufmannschaftsgutscheines von 100 Euro ein Fünftel, also 20 Euro, finanzieren. Mit einem Gesamtzuschuss von 140.000 Euro würde die Gemeinde damit Ausgaben von 700.000 Euro im Ort auslösen – Privaten wie Geschäften wäre geholfen.

In Wörgl bereits erfolgreich

Kaufmannschaftsobmann Christian Senn erklärte gegenüber der TT, dass die Kaufleutevereinigung ausnahmsweise bereit sei, hier alle Geschäfte, auch Nichtmitglieder, teilnehmen zu lassen, wenn dies der Wunsch der Gemeinde sei. Die Details werden Mittwochabend in einem erweiterten Gemeindevorstand diskutiert. In der Gemeinderatssitzung Mitte Juni könnte ein in diese Richtung gehender Beschluss fallen.

Die Stadt Wörgl praktiziert dies bereits erfolgreich. Seit dem Start der 9+1-Gutscheinaktion Ende April im Bürgerservice der Stadtgemeinde reißt die Nachfrage nicht ab. Bis Anfang Juni wurden knapp 30.000 Gutscheine zu zehn Euro verkauft. Die Stadt zahlt davon einen. Die befristete Aktion war aufgrund der großen Umsatzeinbußen der regionalen Wirtschaft infolge der Corona-Pandemie ganz in der Tradition des Wörgler Freigeldes beschlossen worden. Mit dem Ziel, eine zusätzliche kurzfristige regionale Wertschöpfung von einer Million Euro freizusetzen.

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