Polizisten, die prügeln – und solche, die knien

Die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus haben alle größeren Städte der USA erfasst. Aber das Bild ist nicht einheitlich.

Ein Polizist in Washington kniet vor einem Demonstranten. An vielen Orten brachten Polizisten damit ihre Solidarität zum Ausdruck
© AFP

Washington –Seit einer Woche halten die Proteste in den USA an. Auslöser war der Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz, der von Passanten gefilmt wurde. Die meisten Demonstrationen blieben friedlich, wie die New York Times gestern bilanzierte. Am Rande ist es aber zu Gewalt und Plünderungen gekommen, es gab mindestens fünf Tote. Präsident Donald Trump sprach von „Terror“ und einem „Verbrechen gegen Gott“. 40 Städte haben eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, 29 Bundesstaaten die Hilfe der Nationalgarde angefordert. Vielerorts ist die Lage so dramatisch wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Das Bild ist allerdings nicht einheitlich. Videos zeigen Polizisten, die auf Protestierende einprügeln, ebenso wie Polizisten, die niederknien, um ihre Solidarität mit den Demonstranten zum Ausdruck zu bringen – oder die sogar mit Demonstranten mitmarschieren oder beten.

Extremisten und bewaffnete Milizionäre mischen mit

Die Proteste und Ausschreitungen sind keineswegs auf Afroamerikaner beschränkt – im Gegenteil. An den Demonstrationen nehmen Menschen aller Hautfarben teil. Laut Washington Post gibt es aus mehreren Städten Hinweise, dass junge weiße Männer die Ausschreitungen angestachelt haben, während sich schwarze Aktivisten vielerorts schützend vor Schaufenstern und vor Barrikaden der Polizei positionierten.

Daneben versuchen auch Extremisten und bewaffnete Milizionäre mitzumischen. In Austin (Texas) etwa sah sich eine NGO gezwungen, eine Kundgebung abzusagen – aus Angst vor Provokateuren.

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Verschwörungstheorien machen die Runde

Als wäre die Lage noch nicht unübersichtlich genug, machen in rechten Kreisen Verschwörungstheorien die Runde. Dazu gehört etwa, dass Floyd noch am Leben sei oder dass der Milliardär George Soros hinter den Protesten stecke, wie die New York Times berichtete. Konservative Kommentatoren und Präsident Trump selbst machen gern Linksextremisten für die Lage verantwortlich – bisher allerdings ohne jeden Beleg.

Für Verzerrungen in der öffentlichen Wahrnehmung sorgen auch Medienberichte und Bilder, die Feuer und Gewalt in den Vordergrund rücken, auch wenn es sich nur um isolierte Vorfälle gehandelt hat. Zugleich mehren sich Berichte, wonach Journalisten von der Polizei angegriffen oder festgenommen wurden. Betroffen waren neben US-Reportern auch Teams aus Deutschland, Schweden, Norwegen und Australien. Das Internationale Presse-Institut (IPI) forderte die Polizei auf, Journalisten ihre Arbeit machen zu lassen. (floo)


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