Corona-Krise trifft Frauen beruflich härter

27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer haben in der Krise ihre Arbeitszeit reduziert, um die Kinderbetreuung zu gewährleisten. Langfristig drohen dadurch Folgen für die Erwerbsverläufe von Frauen.

In Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren hat mehr als ein Viertel der Frauen die Arbeitszeit reduziert, um die unbezahlte Sorgearbeit gewährleisten zu können.
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Von Nina Zacke

Innsbruck, Wien – Wochenlang waren sie gleichzeitig Angestellte oder Arbeiter, Pädagogen und Lehrer. Das führte für berufstätige Eltern zu einer extremen Belastung. Aber die Corona-Krise trifft Frauen wesentlich stärker als Männer, vor allem beruflich. Eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung lieferte kürzlich die Zahlen dazu: In Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren haben 27 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduziert, um die Kinderbetreuung samt Home-Schooling zu gewährleisten. Bei Familien mit geringerem oder mittlerem Einkommen fällt die Diskrepanz sogar noch größer aus. Langfristig ergeben sich dadurch Gefahren für die Erwerbsverläufe von Frauen: etwa eine Vergrößerung der bestehenden Lohnlücke zwischen den Geschlechtern und Pensionsnachteile für Frauen gegenüber den Männern.

„Die Corona-Krise hat sich beruflich nicht auf alle Frauen gleich ausgewirkt“, sagt die Geschlechterforscherin Maria Wolf. So schade die Krise Arbeitnehmerinnen in systemrelevanten Berufen insofern nicht, weil ihr Arbeitsplatz nicht gefährdet sei, bringe sie aber in Gefahr, weil sie einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. „Da die Mehrheit der in den systemrelevanten Berufen beschäftigten Frauen zugleich auch Mütter von betreuungspflichtigen Kindern sind, hat das aber zu einer Doppel- und Dreifachbelastung geführt“, konkretisiert Wolf weiters. Aber auch Friseurinnen, Kosmetikerinnen, Freiberuflerinnen im Kunst- und Kulturbereich, Ein-Personen-Unternehmerinnen oder Wissenschafterinnen sind beruflich von der Krise stark betroffen. Gerade im wissenschaftlichen Bereich zeige sich das beispielsweise darin, dass in den letzten Monaten wesentlich weniger Frauen Artikel für wissenschaftliche Zeitschriften eingereicht haben als Männer. „Das heißt, dass auch hier die Doppelbelastung durch Beruf und Betreuungspflichten im Home-Office Frauen meist stärker trifft als Männer“, meint die Uni-Professorin. Die Corona-Krise habe für die Geschlechterforscherin deswegen eine hierzulande immer schon bestehende geschlechterungerechte Aufgabenteilung zwischen Erwerbs- und Familienarbeit noch verstärkt.

Dass die Doppelbelastung durch Beruf und unbezahlte Betreuungspflichten Frauen härter trifft, konnte auch die Ökonomin Julia Bock-Schappelwein bestätigen. In einer aktuellen Studie untersuchte Bock-Schappelwein gemeinsam mit zwei Kolleginnen vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) die ökonomischen Effekte von Covid-19 auf Frauen. Laut Studie wirkt sich das rückläufige Beschäftigungsausmaß und die steigende Arbeitslosigkeit für Frauen stärker als für Männer langfristig negativ auf das Einkommen aus. Darüber hinaus tragen die Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklungen 2020 zum Pensionsnachteil der Frauen bei.

Welche Folgewirkungen etwa die räumliche und zeitliche Flexibilisierung der Arbeitsformen auf die Verteilung der Sorgearbeit in Zukunft haben wird, bleibe abzuwarten, sagt die Wissenschafterin. Einerseits könnten Männer verstärkt Betreuungspflichten übernehmen, so wie es einige der im Home-Office tätigen Väter bereits in der gegenwärtigen Situation getan haben. Andererseits könnte der hohe Teilzeitanteil der Frauen eine Zementierung der Geschlechternormen nach sich ziehen. Es bleibt also abzuwarten, ob wir Frauen in Zukunft gewinnen oder verlieren werden.


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