Wirtschaftsverbände kritisieren: „Hilfsmaßnahmen kommen nicht an“

Fünf freie Wirtschaftsverbände üben Kritik an den nur schleppend laufenden Hilfen der Regierung. 67 Prozent von 650 befragten Unternehmen verzweifeln an den Maßnahmen der Regierung, die weit an der Praxis vorbeigingen.

Viele österreichische Firmen warten noch immer verzweifelt auf die versprochenen Covid-Hilfsgelder.
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Wien – Die Österreichische Hoteliervereinigung, Handelsverband, Gewerbeverein, Senat der Wirtschaft und das Forum EPU haben ihre Mitglieder nach den wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 auf Umsätze und Investitionen sowie die Zufriedenheit mit den Maßnahmenpaketen der Bundesregierung befragt. An der Befragung nahmen 650 Unternehmen aus ganz Österreich teil, darunter 45 Prozent Ein-Personen-Unternehmen.

Demnach verzweifeln 67 Prozent aller befragten Unternehmen an den Maßnahmen der Regierung, die weit an der Praxis vorbeigingen. 33 Prozent sagen laut Umfrage, dass die Maßnahmen der Bundesregierung „nicht helfen“, für 26 Prozent könnte die Hilfe nützlich sein, „wenn endlich Geld kommt“. 8 Prozent finden die Maßnahmen für die jeweilige Branche nicht passend. Die Bewertung sei damit fast konträr zur Bewertung durch die Regierung und die Wirtschaftskammer ausgefallen, sagte Stephan Blahut, Generalsekretär des Gewerbevereins.

Im Mittel wurde der bisherige Umsatzrückgang, der auf das Coronavirus zurückzuführen ist, mit 498.000 Euro beziffert, das sei ein Rückgang um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2020 werde ein Umsatzrückgang von 44 Prozent erwartet. Auch das Investitionsvolumen werde heuer sowie im Jahr 2021 drastisch einbrechen.

Hotels verzeichneten bisher einen Umsatzrückgang um 929.000 Euro, fahren die Investitionen heuer um durchschnittlich 784.000 Euro zurück und nächstes Jahr um 950.000 Euro. „Nach Lehma­n hat es 10 Jahre gedauert, bis wir die Umsatzrückgänge aufgeholt haben – und das war nichts gegen Corona“, so Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hotelier­vereinigung.

Die Händler rechnen heue­r mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich einem Drittel. Ein-Personen-Unternehmen (EPU) trifft die Krise besonders hart. Der bisherige Umsatzrückgang wird mit 80 Prozent angegeben, für das gesamte Jahr 2020 rechnen die Kleinstunternehmen mit einem Minus um 50 Prozent.

Die Verbände fordern das Vorziehen der Steuerreform und die Zufuhr von Eigenkapital. Zudem müssten Unternehmer, aber auch die Kammern und der Staat Reserven lockermachen. (TT, APA)


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