Mit „La Strada“ in den Süden: Open-Air-Kino im Zeughaus findet statt

Das Innsbrucker Open-Air-Kino wird auch 2020 stattfinden. Bevor es ab 1. August Italien ins Zeughaus holt, zieht es Alfred Dorfer und Josef Hader dort durch „Indien“.

Federico Fellinis „La Strada“ wird das traditionelle Open-Air-Kino im Innsbrucker Zeughaus am 1. August eröffnen. Gezeigt werden heuer Filme, die in Italien gedreht wurden.
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Von Joachim Leitner

Innsbruck –Leicht haben sich Leokino-Geschäftsführer Dietmar Zingl und Treibhaus-Chef Norbert Pleifer die Entscheidung nicht gemacht. Und eine Zeit lang sah es tatsächlich so aus, als falle heuer das sommerliche Freiluftkino im Innsbrucker Zeughaus aus. „Wir waren und sind damit beschäftigt, unsere Häuser am Leben zu erhalten“, sagt Dietmar Zingl. „Dafür brauchen wir finanzielle Stützen der öffentlichen Hand – da hätte das Open-Air schon einmal ausfallen können.“

Zumal die Veranstaltung in den vergangenen Jahren schon öfter auf der Kippe stand. „Das Kino im Zeughaus ist jedes Jahr ein finanzieller Drahtseilakt, weil es sich im Grunde selbst finanzieren muss. Spielt das Wetter einen Sommer nicht mit, zahlen wir drauf“, sagt Zingl. Und Norbert Pleifer ergänzt: „Im Kampf gegen das Innsbrucker Wetter und die Covid-19-Bestimmungen wäre es grob fahrlässig gewesen, sich auf das Abenteuer einzulassen.“ Nun machen sie es trotzdem. Aber anders als in den vergangenen Jahren. Und das nicht nur, weil bestenfalls 500 Karten pro Vorführung ausgegeben werden können.

Er habe in dieser komischen Krise großes Glück gehabt, sagt Pleifer. Während der Quarantäne hat er eine „Schnorraktion“ gestartet, den Treibhaus-Katastrophenfonds. „Ich habe gebettelt. Leute lasst uns nicht im Stich. Vergesst unsere Künstler und Techniker nicht.“ Die Reaktion darauf habe ihn „komplett umgedreht“, sagt Pleifer. „Die Leute haben uns nicht im Stich gelassen, sie waren solidarisch, haben gespendet.“ Irgendwann sei ihm klar geworden: „Mit diesem Rückenwind können wir uns auch an die Kinosache trauen. Jetzt schnorr ich halt auch fürs Kino.“

Schließlich gebe es auch eine gewisse Verantwortung. Pleifer: „Was wäre das für ein trister Sommer geworden. Niemand hätte uns Gutenachtgeschichten erzählt und schöne Träume ermöglicht. Außerdem stehen wir bei den Tiroler Bauern in der Pflicht. Immer, wenn wir Kino machen, regnet es. Ohne Open-Air vertrocknet in Thaur das Gemüse. Und nach Italien flüchten können wir uns heuer wahrscheinlich auch nicht. Selbst wenn die Grenzen aufgehen, fehlt vielen das Geld dafür.“ Deshalb stand für Norbert Pleifer und Dietmar Zingl schnell fest: Wenn wir nicht nach Italien können, holen wir Italien ins Innsbrucker „cinema sotto le stelle“. Und das ohne den Zwang, damit kommerziell erfolgreich zu sein. „Ältere Filme, auch solche, die als Klassiker gelten, verkaufen sich in Innsbruck oft nur schwer“, sagt Dietmar Zingl. Das habe in den vergangenen Jahren naturgemäß auch Auswirkungen auf die Programmgestaltung gehabt. „Wir brauchten die Kassenschlager, um Liebhaberei querzufinanzieren.“ Gerade das Aufstöbern vorzeigbarer Klassiker ist selbst in Zeiten durchdigitalisierter Vorführungen aufwändig. Und bisweilen teuer, weil Lizenz- und Verleihgebühren bezahlt werden müssen. Die fallen auch heuer an. „Doch heuer muss es sich nicht rechnen, es darf sich anders lohnen“, sagt Norbert Pleifer. Für das Zeughauskino hat er sich ein neues Finanzierungsmodell ausgedacht – und sich dafür einen in Krisenzeiten vielbeschworenen Sager angeeignet: „Koste es, was es wolle.“ Dass der Katastrophenfonds des Treibhauses dafür nicht reichen wird, ist klar. Deshalb hat Norbert Pleifer mit guten Freunden telefoniert. Alfred Dorfer und Josef Hader werden das heurige Open-Air-Kino am 31. Juli mit einer Lesung ihres Stücks „Indien“ eröffnen. „Das ist die einzige Veranstaltung, für die wir Eintritt verlangen. Neben der Solidarität sind sie unser Hauptsponsor. Die öffentliche Hand finanziert uns wie jedes Jahr das Aufstellen der Leinwand.“

Von Indien geht es dann – wie bereits erwähnt – nach Italien. „Wir werden heuer nur italienische Filme und Filme, die in Italien gedreht wurden, zeigen“, sagt Pleifer.

Der erste Film der heurigen Saison ist Federico Fellinis „La Strada“. Auch weil sich Alfred Dorfer das gewünscht hat – und dafür einen Tag länger in Innsbruck bleibt. Das weitere Programm entsteht dieser Tage. „Sobald alles fixiert ist, wissen wir, was es kostet – und das Geld treibe ich dann schon auf“, sagt Norbert Pleifer.

Begleitet werden die Filmvorführungen bis zum 31. August von einem umfangreichen Rahmenprogramm. „Endlich können wir das gemeinsame Warten, bis es dunkel ist, richtig zelebrieren“, sagt der Treibhaus-Chef. So sind etwa Konzerte angedacht. In den vergangenen Wochen hätten sich „ganz wunderbare Synergien“ mit anderen Veranstaltern ergeben, so der Treibhauschef. Es gibt Gespräche mit den Festwochen der Alten Musik, dem Tiroler Volksmusikverein und anderen Musikern. Manches sei bereits spruchreif. Mit der Ankündigung will man aber noch bis nächste Woche warten. Am kommenden Mittwoch wird Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) den Tiroler Kulturkalender für die nächsten Monate vorstellen.


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