Kuh in Telfs erschossen: „Vor Schlachtung Stress vermeiden“

Immer wieder büxen Kühe oder Stiere auf dem Weg zum Metzger aus. Nicht selten werden die Tiere dann erschossen, weil eine gewisse Gefahr von ihnen ausgeht.

In Matrei am Brenner sorgte im Dezember des vergangenen Jahres der Abschuss eines Stiers für viel Aufregung.
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Innsbruck, Telfs, Matrei am Brenner – Aggressiv sei sie gewesen, unberechenbar und daher eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit: Eine Kuh, die Donnerstagnachmittag in Telfs auf dem Weg zum Metzger ausgebüxt war, wurd­e wenig später erschossen. Die Begründung: Es sei nicht auszuschließen gewesen, dass das Tier auf eine viel befahren­e Straße läuft. Immer wieder geraten Kühe oder Stiere auf dem Weg zur Schlachtbank in Panik, reißen sich los und werden dann getötet.

Ab wann aber wird geschossen? Und wer entscheidet das? „Die Kuh an sich ist ein gefährliches Tier“, sagt Klaus Wallnöfer, Leiter der Abteilung Landwirtschaftliches Schulwesen und Landwirtschaftsrecht im Land Tirol. Immer wieder würden das Zwischenfälle beweisen, bei denen Menschen mitunter ernsthaft verletzt würden. „Normalerweise ist die Polizei zuständig“, erklärt Wallnöfer. Diese werde vom Metzger oder dem Bauern hinzugezogen und müsse abwägen, ob von dem Tier eine Gefahr ausgehe. Da diese Ereignisse meist in Siedlungsgebiet, nahe von Straßen oder Bahngleisen passierten, liegt laut Wallnöfer oft ein „gerechtfertiger Notstand“ vor. Die Beamten selbst geben kein­e Schüsse ab, da ihre klein­kalibrigen Waffen das Tier nur verletzen, nicht aber töten. Meist wird, so wie in Telfs, ein Jäger hinzugezogen. Oder die Spezialeinheit Cobra.

Letztere hatte im Dezember des vergangenen Jahres für Aufregung gesorgt, weil sie mehrere Schüsse brauchte, um einen in Matrei am Brenner entflohenen Stier zu töten. Ein solches Vorgehen kritisiert Christoph Lauscher, Obmann des Tierschutzvereins Tirol. Wobei er auch anmerkt, dass von Kühen sehr wohl eine Gefahr ausgehen könne. „Es ist aber auf keinen Fall schön, wenn ein Tier in aller Öffentlichkeit erschossen wird.“ Dabei sei das vermeidbar, meint Lauscher. Die Kühe büxten aus, weil sie aufgrund unsachgemäßen Umgangs mit ihnen in Panik gerieten. „Solche Situationen dürfen gar nicht erst entstehen. Vor und bei der Schlachtung sollte Stress für das Tier vermieden werden.“ (bfk)


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