50-Meter-Schwimmhalle in Tirol wird das Wasser wieder abgegraben

Die unendlich scheinende Geschichte um die 50-m-Halle im Innsbrucker Tivoli hat gestern doch ein Ende genommen, freilich ein unrühmliches.

Stadt Innsbruck und Land Tirol haben das Projekt "50-Meter-Schwimmhalle" beendet.
© GEPA pictures/ Hans Oberlaender

Von Max Ischia

Innsbruck – Ja. Vielleicht. Vielleicht nächstes Jahr. Vielleicht übernächstes. Rund um das seit nunmehr knapp vier Jahrzehnten diskutierte Projekt einer 50-m-Schwimmhalle in Innsbruck hatte es seitens der öffentlichen Hand schon viele Lippenbekenntnisse gegeben. Nur ein „Nein“ gab es im Sammelsurium aus Standortsuchen, Machbarkeitsstudien, Finanzierungsverhandlungen etc. noch nicht. Bis gestern. Stadt Innsbruck und Land Tirol teilten in einer gemeinsamen Aussendung mit, dass der Bau einer 50-m-Schwimmhalle nicht mehr weiterverfolgt werde. „Vor allem angesichts der aktuellen Situation ist es erforderlich, Projekte sorgfältig abzuwägen und zu prüfen, inwieweit die Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte momentan begründbar und langfristig darstellbar sind“, erklärten Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler und Bürgermeister Georg Willi den Projektstopp.

Insgesamt hätten sich die Investitionskosten auf 30 bis 45 Millionen Euro belaufen. Außerdem hieß es in der Aussendung, dass der organisierte Leistungssport andere Anforderungen hinsichtlich Wassertemperaturen, Bahnbelegungen und Beckentiefen als Kinder-, Freizeit- oder Seniorenschwimmen hätte. „Das Abwägen der unterschiedlichen Argumente hat uns nunmehr dazu veranlasst Ihnen mitzuteilen, dass die Realisierung dieses Projektes aus jetziger Sicht nicht mehr realistisch erscheint“, heißt es u. a. im Schreiben an den Landesschwimmverband.

Ein Schreiben (in Form einer E-Mail), welches gestern Vormittag um 9.16 Uhr in der Geschäftsstelle des Tiroler Schwimmverbandes (LSVT) einging. Da das LSVT-Büro aber nur Dienstag und Donnerstag besetzt ist, erfuhren die Verbands-Oberen um Präsident Markus Senfter, Viz­e Richard Kössler oder Stefan Opatril, Vizepräsident des Österreichischen Schwimmverbandes, die Absage aus den Medien. Dementsprechend hoch gingen die Wogen. In die grenzenlose Enttäuschung mischte sich auch Fassungslosigkeit über die Art der Kommunikation. „Wir haben die letzten 15 Jahre intensiv um dieses Projekt gekämpft und nach den Zusagen von Bund und Land noch im Februar ein Schreiben an die Stadt gerichtet. Auf eine Antwort warten wir bis heute. Dass wir nun die Absage aus den Medien erfahren, spricht für sich“, schäumte Opatril.

Der Umstand, dass das Becken des Landessportcenters seitens des Landes und der Stadt um 14.000 Euro befüllt wird und den Vereinen ab 10. Juni wieder zur Verfügung steht, konnte die Gemüter gestern nicht abkühlen.


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