Polizei kontrolliert scharf: Motorrad-Club will Verbot im Außerfern verbieten

Das Lärmfahrverbot wirkt: Am Samstag waren bei Kaiserwetter weniger Motorradler im Außerfern unterwegs. Die Polizei kontrollierte scharf.

Wolfgang Mages kann seine Honda nur noch auf dem Anhänger ausführen.
© zeitungsfoto.at

Von Thomas Hörmann

Reutte –Blauer Himmel, 25 Grad, Wochenende: normalerweise ideale Bedingungen für einen Motorradausflug ins Außerfern. Nicht so am Samstag – wie ein Lokalaugenschein zeigt, sind deutlich weniger Biker zwischen Gaichtpass und Hahntennjoch unterwegs. Gezählte sieben Motorräder parken am Vormittag auf der Passhöhe. „Sonst ist der Parkplatz voll“, weiß Hotelier Robert Heel aus Bach. Offenbar die Folg­e des Lärmfahrverbots, das seit Mittwoch gilt und Motorräder mit mehr als 95 Dezibel Standgeräusch betrifft.

Den Lenkern ist die Fahrt durchs Lechtal, Namlostal etc. untersagt. Das spürt auch Heel. Nur ein Motorrad steht am Parkplatz vor seinem Hotel Grüner Baum. Sein eigenes. „Hier bin ich zuhause. Jetzt darf ich nicht mehr fahren“, steht auf dem Zettel, der das Nummernschild ersetzt.

„Meine Ducati ist zu laut. Ich kann damit nicht mehr raus aus dem Ort. Das Fahrverbot ist für mich wie eine Enteignung.“ Noch schlimmer ist für ihn, dass die Gäst­e ausbleiben. „An einem Tag wie heute wäre mein Parkplatz voll mit Maschinen.“ Aber nicht nur die Tagesausflügler machen sich rar. „Jetzt hat eine zehnköpfige Motorradgruppe den Urlaub bei uns storniert. Weil ein Bike zu laut ist“, so der Hotelier.

Andreas Sedlak (l.) vom Ducati-Club wurde angezeigt.
© audivir

Schauplatzwechsel: Am Gaichtpass führt die Polizei die erste Aktion scharf seit dem Inkrafttreten der Lärmregelung durch. 15 Beamte fangen auf beiden Straßenseiten die Motorradfahrer ab. Auch ein Lärmmessgerät steht bereit. Zu beanstanden gibt’s wenig. „Die meisten Motorräder entsprechen der Lärmverordnung und haben weniger als 96 Dezibel“, sagt Markus Widmann, Chef der Tiroler Verkehrspolizei, der ebenfalls vor Ort ist. Doch dann wird’s plötzlich hektisch – der Ducati-Club Tirol-Oberland taucht auf. Mit drei Motorrädern der italienischen Nobelmarke, die zwar verkehrstauglich, aber seit 10. Juni zu laut fürs Außerfern sind.

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Auch wenn sie es nicht zugeben, sind die Lenker offenbar nicht zufällig in die Polizeikontrolle geraten: „Wir wollen juristisch gegen die Lärmverordnung vorgehen“, sagt Andrea­s Sedlak, Vizepräsident des Ducati-Clubs: „Dazu müssen wir erst einmal angezeigt werden.“ Der Wunsch geht in Erfüllung, die Ducati-Fahrer müssen mit 220 Euro Strafe rechnen.

Die Kontrolle der Clubmitglieder offenbart auch die Ungereimtheiten in der Verordnung: So haben zwei technisch absolut identische Ducatis unterschiedliche Lärmwerte in den Zulassungen stehen. Die Folge: Ein Motorrad fällt mit 96 Dezibel unters Fahrverbot, das andere (94 dB) nicht. Über 22.000 Unterschriften hat der Oberländer Verein bereits gegen die Lärmverordnung gesammelt.

Markus Widmann
: „Die meisten Motorräder entsprechen der Lärmverordnung und haben weniger als 96 Dezibel.“
© Böhm

Mit 99 Dezibel ist auch die Honda Fireblade von Wolfgang Mages aus Elmen viel zu laut. Dennoch bleibt er straffrei. Weil der Lechtaler das Sportmotorrad aus Protest mit dem Anhänger auf den Gaichtpass transportiert hat. „Was bleibt mir anderes übrig? Ich darf mit der Honda nicht einmal zur Arbeit nach Reutte pendeln. Jetzt fahr’ ich halt mit dem Pickup, der braucht doppelt so viel Benzin. Vielleicht ist das ja umweltfreundlicher.“

Die meisten der kontrollierten Motorradfahrer haben durchaus Verständnis für das Ruhebedürfnis der Außerferner. Nicht aber für die Verordnung. Es dürfe nicht sein, dass vorschriftsmäßige Fahrzeuge von den Straßen verbannt werden. „Das ist Willkür. Wo bleibt da die Rechtssicherheit?“, meint ein Biker. Besser wäre es, die Raser und die Motorräder mit manipulierten Auspuffanlagen aus dem Verkehr zu ziehen. Auffallend: Die Motorradler sind am Samstag sehr gesittet unterwegs.


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