„Feelgood-Studio“ für Senioren in Kufstein: Zeit, sich gut zu fühlen

Um mobil zu bleiben, sollten Menschen mit zunehmendem Alter auf Muskeltraining achten. Für diese Zielgruppe eröffnete in Kufstein nun Tirols erstes „Feelgood-Studio“.

Bei der Taillenrotation werden Bauch- und Rückenmuskulatur trainiert sowie Arme und Beine gedehnt. Eva Stiefler (l.) vom „Feelgood Bewegungs-Studio“ Kufstein empfiehlt das Gerät bei Rückenschmerzen.
© Stiefler

Von Manuel Lutz

Kufstein – Es ist ein ungutes Gefühl, wenn mit zunehmendem Alter tägliche Routinen oft schwer fallen. Angefangen vom Treppensteigen bis zum Binden der Schuhe im Stehen. Die Personen glauben einzurosten und als Konsequenz werden die sportlichen Aktivitäten auf ein Minimum heruntergefahren. Dies ist jedoch der größte Fehler, den man begehen kann, wie Sportwissenschafter Robert Csapo von der UMIT Hall warnt: „Im Alter kommt es zu maßgeblichem Verlust von Muskelfunktion und Muskelkraft. Dies schränkt die Mobilität ein und beeinträchtigt die Lebensqualität. Dem muss man entgegenwirken.“

Neben der täglichen Bewegung ist auch gezieltes Krafttraining ein wichtiger Faktor. „Kraftraining war einst verpönt. Es gab das Vorurteil, es würde nur dazu dienen, besser auszusehen. Dabei ist es gerade für ältere Menschen wichtig, um die Muskelmasse und Muskelfunktion zu erhalten. Ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Abnahme drastisch an Fahrt auf“, weiß Csapo.

Trainiert kann prinzipiell überall werden, die soziale Komponente ist für die meisten Menschen jedoch wichtig und fördert die Motivation. Das klassische Fitnessstudio ist für ältere Semester oft keine Option. Aus diesem Grund hat Eva Stiefler Ende Mai das „Feelgood Bewegungs-Studio“ in Kufstein eröffnet. „Unsere Hauptzielgruppe sind die Personen, die sich im Fitnesscenter nicht wohlfühlen und beweglich bleiben bzw. beweglicher werden möchten“, so Stiefler.

Das Konzept funktioniert wie bei einem Zirkeltraining: Es gibt zwölf Geräte, pro Station wird zweieinhalb Minuten trainiert, nach 40 Minuten ist das Workout abgeschlossen. „Der ganze Körper ist dann durchtrainiert und gedehnt“, erklärt Stiefler. Der große Unterschied zu normalen Studios: Die Geräte, die von einem britischen Therapiegerätehersteller stammen, werden durch einen Motor angetrieben und nicht durch die eigene Muskelkraft. „Dadurch kann nichts falsch gemacht werden. Zudem braucht man keine Ausdauer und kommt auch nicht ins Schwitzen. Daher kann mit normaler Straßenkleidung trainiert werden. Gerade das Umziehen ist für ältere Menschen oft schon anstrengend“, sagt die Kufsteinerin.

Wem das jedoch zu wenig ist, der kann sich dabei auch auspowern. „Bei den Übungen ist es natürlich individuell, wie viel Kraft beim Drücken und Ziehen aufgewendet wird. Es gibt auch drei Geschwindigkeitsstufen zum Auswählen. Nach dem Training spürt man es schon. Mir hat es bei meinen Rückenproblemen sehr geholfen“, berichtet die 41-Jährige.

Die Idee kommt aus Norwegen, innerhalb der vergangenen vier Jahre haben dort schon über 40 Studios eröffnet. Auch in Österreich findet das Konzept großen Anklang, das erste „Feelgood-Studio“ eröffnete vergangenen Oktober in Mondsee. Nach nur zwei Monaten war die maximale Mitgliederzahl von 300 Personen erreicht. „Der Lizenzinhaber ist ein Freund von mir. Als ich von der Idee gehört habe, war ich gleich Feuer und Flamme, da es nichts Vergleichbares hierzulande gab. Daher habe ich beschlossen, in Kufstein Österreichs zweites Studio zu eröffnen“, erklärt Stiefler.

Schon jetzt hat das Studio 40 Mitglieder, die älteste Besucherin in Kufstein ist eine bereits 95 Jahre alte Dame. „Es ist nie zu spät, um einzusteigen. Auch im fortgeschrittenen Alter können noch ansehnliche Trainingserfolge erzielt werden“, ist für Csapo klar.

Durch das gesteigerte Fitnessniveau sinkt die Sturzgefahr und es hilft den Menschen dabei, selbstständig zu leben. Es gibt aber noch andere positive Auswirkungen, wie Csapo betont: „Die Personen sind auch sozial besser integriert, da sie mehr unternehmen können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass mit höherem Fitnessniveau auch die kognitive Leistungsfähigkeit steigt.“

Die Studiogäste finden Gefallen, wie Stiefler berichtet: „Man sieht, wie alle motiviert sind und sich verabreden.“


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