Lebenslange Haft beim Mordprozess in Klagenfurt gefordert

Lebenslange Haft hat am Freitag Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth beim Mordprozess am Landesgericht Klagenfurt für den 36 Jahre alten Angeklagten gefordert. Es stehe zweifelsfrei fest, dass er den Mord begangen habe. Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger hingegen plädierte auf Freispruch, der Mord sei keineswegs bewiesen. Anschließend zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück.

Wohlgemuth zeichnete noch einmal das Geschehen nach, bei dem eine junge und werdende Mutter getötet worden war. Im letzten Sommer sei es nicht gerade rosig für den Angeklagten gelaufen, was er allerdings selbst verschuldet habe. Zwei Affären neben der Ehe, beide Frauen seien von ihm schwanger geworden. Das habe ihn belastet, er sei unter Druck geraten. Die Schwangerschaft des späteren Opfers sei für ihn „eine Katastrophe“ gewesen, weil diese das Kind unbedingt bekommen wollte. Dazu seien finanzielle Probleme absehbar gewesen, obwohl er vor Gericht behauptet habe, dies wäre für ihn überhaupt kein Problem gewesen. Es lägen erdrückende Beweise gegen den Angeklagten vor, Entlastendes gebe es nicht. Die Verteidigungsstrategie habe sich darauf beschränkt, die Arbeit der Staatsanwaltschaft und der Ermittler zu kritisieren und Fehler zu behaupten. Man habe aber sorgfältig gearbeitet, weshalb sämtliche Beschwerden von den Oberbehörden auch abgeschmettert worden seien.

Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger replizierte, die Sache sei längst nicht so klar wie von der Anklägerin behauptet. Aussagen von Belastungszeugen seien bei weitem nicht so eindeutig, auch die Ex-Freundin habe nicht den besten Eindruck gemacht. Dass das Handy stundenlang ausgeschaltet gewesen sei, da gebe es Erklärungsbedarf, räumte der Verteidiger ein. Das sei aber noch lange kein Beweis dafür, dass der Angeklagte den Mord begangen habe.

Das gefundene Katzenhaar sei schon überhaupt kein Beweis, das könne zu 25 von 100 Katzen gehören. „Ich habe keine Katzen, aber auch ich finde Katzenhaare in meinem Wohnzimmer“, sagte Arbacher-Stöger. Es sei richtig, dass sein Mandant eine gefährliche Drohung begangen habe, das sei aber auch schon alles. Wenn die Staatsanwältin von hohem Aggressionspotenzial spreche, dann sei das lachhaft. Niemand, der aggressiv sei, könne sich bei dem zweitägigen Prozess so beherrschen wie der Angeklagte. Zudem könne er sich nicht vorstellen, dass der Angeklagte es bei seiner Statur „wie ein Gnom“ geschafft hätte, die 1,60 Meter große, hochschwangere Frau in die Badewanne zu schaffen. Auch fehle ein Motiv, nur die Tatsache, dass das Opfer ein Kind von ihm bekommen hätte, genüge wohl nicht. Daher sei im Zweifel auf Freispruch zu entscheiden.

Der Angeklagte nutzte die Gelegenheit, dass er das letzte Wort hatte. Er erklärte noch einmal, dass er mit dem Mord „null zu tun“ habe. Dem Gericht warf er vor, sämtliche Beweisanträge zu blockieren, die seine Unschuld beweisen könnten. Er habe immer die Wahrheit gesagt.

Anschließend zogen sich die Geschworenen zurück, um über die drei Hauptfragen zu beraten. Erstens die Frage nach dem Mord an der 31-jährigen Hochschwangeren, die zweite Frage dreht sich um den Schwangerschaftsabbruch und die dritte betrifft die gefährliche Drohung gegen seine Ex-Freundin und deren Ehemann. Ein Urteil war für die Abendstunden zu erwarten.


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