Jus und Wirtschaftsrecht: Doppelstudium in nur fünf Semestern geschafft

Mario Kathrein aus Prutz war mit Jus und Wirtschaftsrecht immer auf der Überholspur unterwegs. Dabei kamen seine Hobbys nie zu kurz.

Mario Kathrein sieht sich als „juristischer Rohdiamant“, der sich den Feinschliff derzeit als Rechtsanwaltsanwärter holt.
© Die Fotografen

Von Helmut Wenzel

Prutz, Innsbruck – Die Mindeststudiendauer für Rechtswissenschaften beträgt acht Semester. Laut Statistik brauchen angehende Juristen in Österreich allerdings zwölf oder mehr Semester.

Doch Mario Kathrein aus Prutz hat gezeigt, dass es auch schneller geht. Und zwar viel schneller. Gerade fünf Semester (zweieinhalb Jahre) benötigte er an der Universität Innsbruck bis zum Abschluss seines Doppelstudiums Jus und Wirtschaftsrecht. Seit der akademischen Abschlussfeier darf der 23-jährige Prutzer offiziell den Titel Mag. jur. Mario Kathrein LL.B. tragen.

Muss man ein extremer Strebertyp sein, um das Doppelstudium in Rekordzeit zu schaffen? – „Nein, sicher nicht“, sagt der junge Mann. „Das schnelle Studium war nie mein Ziel. Es hat sich einfach so ergeben.“ Zunächst sei er „etwas erschrocken“, als er sich einschlägige Manuskripte im Umfang von 100 Seiten oder mehr zur Vorbereitung auf die Prüfungen „vorknöpfen“ musste. „Aber wenn man dann mitten drin ist in der Materie, dann funktioniert das mit dem Lernen recht gut“, schildert er. Seine Auffassung von Lernarbeit beschreibt er sogar poetisch: „Es geht darum, aus vielen Schneeflocken einen Schneeball zu formen.“ Und: Viele Schneebälle würden dann eine Lawine in Gang setzen. Jene Lawine, die im Kopf nötig sei, um Zusammenhänge zu erfassen.

Aufgrund hervorragender Noten kam der Obergrichter Ausnahmestudent in den Genuss eines Leistungsstipendiums. „Das war mir natürlich sehr hilfreich.“ Zudem erwirtschaftete er seinen Unterhalt mit Nachhilfestunden – bereits als HAK-Schüler in Land­eck – sowie als Teilzeitmitarbeiter in einer Anwaltskanzlei und am Wifi. Sport und Reisen kamen bei Kathrein ebenfalls nicht zu kurz. Während er im Winter seine Schwünge mit den Ski am Kaunertaler Gletscher zog, strampelte er sich im Sommer mit dem Rennrad auf der Gletscherstraße ab. „Ich lese viel und koche gerne“, verrät er. Gibt es ein Erfolgsgeheimnis? – „Wichtig ist mir ein ausgeglichenes Leben.“ Womit der Oberländer Jungakademiker auch seine Freundin anspricht, mit der er in Innsbruck zusammenlebt. Studentenpolitik habe ihn zwar interessiert, „aber ich habe mich nie engagiert. Zu den Wahlen sollte man als Student schon hingehen. Das habe ich auch gemacht.“

Davon abgesehen, dass Juristen grundsätzlich lebenslänglich dazulernen, habe er sein Lernpensum keinesfalls abgeschlossen. Derzeit ist Kathrein mit dem Doktoratstudium beschäftigt und will auch den Master in Wirtschaftsrecht machen. Kommenden Herbst steht für ihn das Gerichtspraktikum auf dem Terminkalender. Womit auch der Fahrplan für sein Berufsleben fixiert ist: Er will Rechtsanwalt werden und eine eigene Kanzlei führen. „In Innsbruck gefällt es uns sehr gut, die Stadt hat eine hohe Lebensqualität.“ Andererseits sei bekannt, dass die Landeshauptstadt eine sehr hohe Anwaltsdichte habe.

Noch etwas ist bemerkenswert in der jungen Karriere des angehenden Juristen: Als Schüler der Landecker Handelsakademie hat er 2014 den österreichweiten IT-Wettbewerb „Digital Day“ mit der Bestmarke von 97 Prozent gewonnen.

Dass er zahlreiche Komplimente aus dem Freundeskreis und den inoffiziellen Titel „Tirols Superstudent“ bekommt, erfüllt ihn mit Freude. „Aber es ist mir wichtig, dass man mit Bodenhaftung im Leben bleibt.“ Abgehoben sein wäre „eine schlechte Eigenschaft“.


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