Lateinische Messen und keine Prozession: Imsterberg hadert mit dem Pfarrer

Lateinische Messen im alten tridentinischen Messritus und keine Herz-Jesu-Prozession: Aussprache mit dem Bischof.

Imsterberger Kirche: Ein Hoch-, aber kein Volksaltar, Speisgatter – so sah es in den Kirchen vor dem „Zweiten Vaticanum“ aus.
© Paschinger

Imsterberg – Es gärt gewaltig in Imsterberg. Und zwar zwischen einem Großteil der Bevölkerung und dem sehr traditionsbewussten Pfarrer Stephan Müller. Seit Jahren wird von vielen der Volksaltar vermisst, die Messen werden abgekehrt vom Volk am Hochaltar zum Teil auf Latein gelesen, die Kommunion gibt es in den Mund – und das Ganze am wieder errichteten Speisgatter vor dem Altarraum. Zu Fronleichnam kam es – wie die TT berichtete – zu einer Plakataktion gegen den Priester, am Sonntag ließ dieser die Herz-Jesu-Prozession durch den Ort ausfallen. Und heute ist bei Bischof Hermann Glettler in Innsbruck eine Aussprache mit dem Pfarrer sowie Vertretern des öffentlichen Lebens in Imsterberg angesetzt. Der ebenfalls geladene Bürgermeister Alois Thurner „will klare Verhältnisse“. Man brauche „eine Lösung, damit die Leute konfliktfrei und ohne Sorge in die Kirche gehen können“, so Thurner im TT-Gespräch.

Während so mancher Imsterberger von einem weiteren Eklat am vergangenen Sonntag spricht, will BM Thurner das Ausfallen der Prozession nicht unbedingt als Reaktion des Priesters auf die Plakataktion deuten. „Es hatte am Vortag geregnet und auch Sonntagfrüh war das Wetter nicht berauschend.“ Es hätte aber eine problemlose Route für den Umgang gegeben. In der Kirche fanden Corona-bedingt etwa 65 Personen Platz; Schützen, Musikkapelle und andere Gläubige warteten am Vorplatz allerdings vergeblich: Pfarrer Müller las die Evangelien vor dem Hoch- und den Seitenaltären.

„Ein Umgang wäre möglich gewesen“, so der Dorfchef, „da waren schon einige angefressen.“ Drinnen wurde die Messe fast ausschließlich auf Latein gehalten – selbst das „Vaterunser“. Überhaupt habe er das Gefühl, dass die Sache langsam eskaliere. „Es geht ein Riss quer durch die Gemeinde und sogar Familien. So kann es nicht weitergehen“, hofft er auf das Gespräch mit dem Bischof, das schon vor den letzten Ereignissen angesetzt wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Thurner – und auch andere Imsterberger – mit der Diözesanführung unterhalten. „Uns wurde schon lange eine Lösung versprochen“, pocht er auf die Einhaltung der Zusage. Immerhin sieht er die kirchliche Aktivität in Imsterberg „gestört“, viele Einheimische weichen in andere Kirchen aus. „Und wenn wir dem Roppener Seelsorgeraum zugeordnet werden, egal – den größten Teil der Bevölkerung interessiert das nicht mehr“, so Thurner.

Pfarrer Müller war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar. (pascal)


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