Zillertaler sind dem Schneehuhn auf der Spur

Bis zu 5000 Schneehühner soll es in Tirol geben. Doch allzu viel weiß man über das Tier nicht. Das will der Naturpark Zillertaler Alpen ändern.

Frederick Manck und Marie Spallek auf der Suche nach Schneehühnern.
© Naturpark Zillertaler Alpen

Von Eva-Maria Fankhauser

Ginzling – Es ist vielleicht nicht so bekannt wie der Steinbock, oder so ein beliebtes Fotomotiv wie das Murmeltier, aber für Frederick Manck ist es das wohl spannendste Tier im Hochgebirge: das Schneehuhn.

Als Mitarbeiter des Naturparks Zillertaler Alpen ist Manck den Schneehühnern im Naturschutzgebiet auf den Fersen. Für ein Projekt mit dem Land Tirol und der Uni Innsbruck versucht er samt zehnköpfigem Team mehr über das Schneehuhn herauszufinden. Im Karwendel ist man dem Tier schon seit zwei Jahren auf der Spur. Nun will man auch die Population im Zillertal untersuchen.

Bis zu 5000 Schneehühner soll es in Tirol geben.
© Naturpark/Jan Frode Haugseth

Dazu geht es morgen wieder um 2 Uhr Früh los. Denn Manck und seine Kollegen müssen vor Sonnenaufgang ins Hochgebirge. Zwischen 2200 und 2800 Metern fühlt sich das Schneehuhn wohl. Im Vorjahr wurden bestimmte Zonen eingeschränkt, wo man viele Schneehühner vermutet. Dazu zählen zwei Regionen am Tuxer Hauptkamm, Zemmgrund, Zillergrund, Stilluptal und am Pfitscher Joch. „Alle Gebiete liegen oberhalb der Waldgrenze und die Gesamtfläche erstreckt sich über 950 Hektar, die nun von uns kartiert werden“, sagt Manck.

Derzeit steckt das Team in der heißen Phase. Denn im Frühjahr hört man die männlichen Schneehühner frühmorgens singen. „Sie markieren so ihr Revier und es ist ein einzigartiges Geräusch, das sie da machen“, sagt Manck mit einem Lächeln. Das Schneehuhn hat es ihm angetan. Er spricht mit viel Leidenschaft und Freude über die Tiere. Und das, obwohl er für die Untersuchung sehr früh aus dem Bett muss und unzählige Hohenmeter bezwingt. „Das ist schon ein einmaliger Moment, wenn man bei Sonnenaufgang am Berg ist und plötzlich ein Schneehuhn singen hört. Manchmal fliegt es dann auch plötzlich über den Kopf hinweg, weil man es gar nicht gesehen hat“, erzählt der Naturparkmitarbeiter.

Mit seinen Kollegen steckt er nun per GPS-Daten die Reviere der Schneehühner ab. „Es sind meist vier Kartierer zugleich im Gebiet und verorten jede Sichtung“, sagt Manck. Aber damit nicht genug: Es werden auch Losungen oder Federn der Tiere eingesammelt. Zudem wird jeder Fund dokumentiert, jede Spur ins Register aufgenommen und die Tiere gezählt. Im Frühjahr sind die Hähne meist mit einem Weibchen unterwegs. Am Ende des Sommers sieht man sie oft in Gruppen.

Jedes der sechs Teilgebiete wird drei Mal untersucht. Derzeit läuft der erste Durchgang. Dabei geht es querfeldein über Stock und Stein. Mit den Proben bepackt und GPS-Daten geht es dann zurück ins Tal. „Die genetische Untersuchung unserer Funde kann spannende Ergebnisse liefern. Wir können Individuen feststellen, das Geschlecht oder Vergleiche zwischen den Tieren ziehen“, erklärt Manck. Auch Naturpark-GF Willi Seifert ist begeistert vom Projekt: „Dadurch können wir herausfinden, ob die Teilpopulationen in Beziehung zueinander stehen. Also ob der Hahn aus dem Tuxertal mit der Henne aus dem Zemmgrund zusammen war.“ Ein großes Problem fürs Schneehuhn ist der Klimawandel. „Der Lebensraum wird immer kleiner, wenn die Temperaturen steigen“, sagt Seifert. Ab rund 10 Grad würden die Tiere schon in den Schatten ausweichen. „Sie sind an extreme Schnee- und Höhenverhältnisse angepasst. Im Winter lassen sie sich auch in Schneehöhlen einschneien“, sagt Manck.

Im nächsten Jahr sollen die ersten Ergebnisse aus der Untersuchung vorliegen. Rund 20.000 Euro werden in das Projekt investiert.

Schneehühner können sich sehr gut tarnen. Findet ihr sie?

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