Ärztenotstand in Landeck: „In Landeck sind Strukturen krank“

LA Benedikt Lentsch (l.) und Peter Gamper (Allgemeinmediziner und Unfallchirurg, Bild unten) sehen akuten Handlungsbedarf in Landeck: Die Rahmenbedingungen für Kassenärzte müssten sich deutlich verbessern.
© Wenzel

Landeck – Warum hat sich der Ärztenotstand zuletzt in Landeck zugespitzt? Wie berichtet, sind neben Facharztstellen auch zwei Kassenstellen für Allgemeinmediziner ausgeschrieben – seit Monaten. Nachdem sich zwei Praktiker in den Ruhestand verabschiedet hatten, müssen deren Patienten jetzt bei anderen Hausärzten anklopfen.

Der Wahlarzt Peter Gamper, Allgemeinmediziner und Unfallchirurg, hatte seine Ordination in Landeck-Bruggen zuletzt auch für ÖGK-Versicherte geöffnet. Ab 1. Juli wird er wieder ausschließlich als Wahlarzt tätig sein. „Die Situation in Landeck ist problematisch“, zeigt er auf und spricht von „kranken Strukturen“. „Gerade für Jungärzte ist die Bezirksstadt unattraktiv. Als Allgemeinmediziner hat man keine Hausapotheke, die für Landärzte in den Tälern ein zweites finanzielles Standbein bedeutet.“

Peter Gamper (Allgemeinmediziner und Unfallchirurg).
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Auch die Nähe des Zammer Krankenhauses St. Vinzenz spiele eine Rolle. In den Ambulanzen würden medizinische Leistungen, die im Prinzip auch der Allgemeinmediziner machen könnte, durchgeführt. „So bleibt dem Landecker Hausarzt ein überschaubares, trockenes Mediziner-Dasein.“ Neben Blutdruckmessen oder Infusion-Verabreichen erschöpfe sich dessen Tätigkeit darin, den Patienten die benötigten Medikamente zu verschreiben. Unterstützung vom Land oder von der Stadtgemeinde sehe er nirgends, so Gamper. Anderswo werde Allgemeinmedizinern eine Wohnung zu Verfügung gestellt. Teils würden die Mietkosten der Ordination erlassen. Er könne sich auch eine Lohnkostenübernahme für die Assistentin vorstellen.

Für den SP-Politiker LA Benedikt Lentsch ist der Land­ecker Ärztenotstand ebenfalls ein großes Thema: „Das Land muss Mittel bereitstellen, etwa für die Ordinationskosten. Ich kann mir ein Landarztstipendium vorstellen, das an Bedingungen geknüpft ist. Tiroler Medizinstudenten müssten sich verpflichten, als Arzt dann in ihrer Heimatregion tätig zu sein.“ (hwe)


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