Tiroler Verein Vaget: Ein Verein, der rundum pflegt

Egal, ob depressiv, dement oder süchtig – der Tiroler Verein Vaget kümmert sich um ältere Menschen in ihrem Zuhause. Aber auch für die Angehörigen ist er immer da.

Das fachspezifisch ausgebildete Team von Vaget ist für ältere Menschen wie ein Schutzengel im Alltag.
© Symbolfoto: APA

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Kathrin Knabl hat schon einen langen Tag hinter sich. Neben den alltäglichen organisatorischen Arbeiten im Büro besucht sie nun noch einen Klienten. Eigentlich sollte sie nur eine Stunde bleiben und ihn im Alltag unterstützen, ein Gedächtnistraining machen, mit ihm reden. Doch diesmal dauert es länger. Er hat einen schlechten Tag, auch wenn er es sich nicht anmerken lassen will. Doch sie hat es gleich gemerkt, hat hingehört. Sie hat gespürt, dass er heute mehr Betreuung braucht, und ist für ihn da.

Es ist eine besondere Art der Betreuung, die Knabl als Mitarbeiterin des Vereins Vage­t Menschen über 65 Jahren zukommen lässt. Die Non-Profit-Organisation ist in fast allen Bezirken (außer Reutt­e) mit einem Team vertreten und hat sich auf die mobile Pflege von Menschen mit so genannten gerontopsychiatrischen Erkrankungen bzw. Behinderungen spezialisiert. Das heißt sie kümmert sich um ältere Personen mit Depression, Demenz, Psychose oder Sucht. „Es gibt niemanden, den wir nicht betreuen“, betont GF Gertrud Geisler-Devich.

Wir holen die Menschen dort ab, wo sie gerade sind. Ganz ohne Erwartungen an sie.
Kathrin Knabl, Vaget-Bereichsleitung Schwaz

Finanziert wird der Verein großteils durch Förderungen des Landes Tirols, der Gemeinden und einem Selbstbehalt der Klienten. Bis zu maximal 90 Stunden pro Monat können pro Person in Anspruch genommen werden. „Wir bieten eine ergänzende und vor allem spezialisierte Pflegeleistung“, erklärt Geisler-­Devich.

Die Patienten werden ganz individuell betreut. „Den einen besuchen wir nur alle zwei Wochen für eine Stunde, ein anderer braucht deutlich mehr Unterstützung“, sagt Knabl. Das komme oftmals auch auf die Situation an, in der sich der Klient gerade befindet. Auch die Art der Pflege und Betreuung ist auf die betreffende Person abgestimmt. „Wir holen die Menschen dort ab, wo sie gerade sind“, sagt Knabl und fügt hinzu: „Wir organisieren Arzttermine, gehe mit ihnen einkaufen, machen Gedächtnistrainings, helfen durch Krisen, hören manchmal einfach nur zu und reden mit ihnen.“ Da kann es auch vorkommen, dass man mit dem Haustier schnell zum Tierarzt düst, jemandem hilft, wieder ins dörfliche Leben integriert zu werden, oder einem beim Abschied eines geliebten Menschen zur Seite steht. „Es gibt eigentlich nichts, was wir nicht schon erlebt haben“, scherzt die Zillertalerin. Durch den Job werde man immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt und müsse sich mit viel Geduld, Empathie und fachlichem Wissen auf neue Situationen einstellen.

Der Großteil der Patienten leidet unter Depressionen, gefolgt von Demenz und neurologischen Krankheiten. Laut Geisler-Devisch werden aber auch Tabletten- und Alkoholsucht zum immer größeren Thema. „Oftmals wird als Generalverdacht gesagt, dass jemand dement ist. Dabei ist es eigentlich eine Depression. Da kann später dann auch Demenz dazukommen“, erklärt Knabl. Doch die Herangehensweise zur Pflege ist natürlich eine ganz andere, je nach Krankheitsbild.

Aber auch für die Angehörigen sind die Mitarbeit des Vereins da. Sie begleiten sie auf dem oft schwierigen Weg. „Gerade dann, wenn man seine Eltern zu Hause selbst betreut, können wir Hilfestellung leisten, die Angehörigen entlasten, ihnen Tipps geben oder einfach nur für ein Gespräch da sein“, sagt Knabl.

Eine große Entlastung für Angehörige stelle vor allem das Tagestherapiezentrum in Innsbruck dar. „Für den Patienten ist es schön, soziale Kontakte hier zu pflegen, rauszukommen, miteinander kreative Dinge zu tun oder zu singen“, erzählt Elisabeth Schöpf, die in Innsbruck für den Verein tätig ist. Während die Klienten im Tagestherapiezentrum sind, haben die Angehörigen „frei“. „Auch sie brauchen mal Zeit für sich. Das kann sonst schon eine sehr große Belastung sein. Als Pflegepersonal ist man ja immer nur ein paar Stunden dort und kann wieder gehen. Aber der Angehörige ist sonst immer da“, sagt Schöpf.

Es ist kein leichter Job, aber dennoch einer, der ihnen Freude bereitet – vor allem dann, wenn ein Klient Vertrauen zu ihnen fasst oder sie auch zu jenen durchdringen, die ihre Krankheit anfangs nicht wahrhaben wollten.


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