Steinbockzentrum im Pitztal mit Leben gefüllt

Fünf Jahre dauerten die Vorarbeiten, bis man gestern dem großen Traum einen Schritt näher gekommen ist: Das Steinbockzentrum im Pitztal bekam die ersten sieben Steinböcke, die sich nun akklimatisieren dürfen.

Der „König der Alpen“, wie der Steinbock auch genannt wird, ist in seiner neuen Heimat St. Leonhard im Pitztal angekommen.
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Von Thomas Parth

St. Leonhard i. P. – Im Rahmen eines vom Naturpark Kaunergrat unter Ernst Partl begleiteten Prozesses kristallisierte sich der Wunsch nach einem Steinbockzentrum im Pitztal heraus. „Der Steinbock ist ein Symbol für ein intaktes Hochgebirge und hat im Pitztal eine starke Anziehungskraft, weil sich hier mit über 1200 Tieren die größte Steinbockpopulation der Ostalpen entwickelt hat. Dass das Tier zwischenzeitlich ausgerottet war und erst wieder angesiedelt werden musste, spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das merkt man an der Popularität des Steinbocks als Wappentier oder in den zahlreichen Unternehmenslogos“, weiß Ernst Partl, Geschäftsführer des Naturparks Kaunergrat. „Im Tiroler Steinbockzentrum wird es u. a. ein­e Ausstellung zur Kulturgeschichte des Pitztals geben. Aus alten Fotografien und Interviews erfährt man, wie das Leben einst die Situation heute beeinflusst“, so Partl. Die Strahlkraft des Steinwildes spiele dabei nicht nur ihre touristische Stärken aus, sondern fungiere auch identitätsstiftend für die einheimische Bevölkerung.

Gestern frühmorgens fingen Wärter des Innsbrucker Alpenzoos die sieben für das Pitztal vorbestimmten Steinböcke von Hand und ohne Narkose ein. Noch bevor die Tiere die Transportboxen betraten, wurden sie vom Veterinär des Alpenzoos untersucht. „Unsere Steinböcke sind topfit!“, jubiliert BM Elmar Haid, der von der ersten bis zur letzten Minute, vom Einfangen bis zum Moment der Entlassung dabei war. „Es ist schon ein denkwürdiger Augenblick, zumal wir lange dafür gearbeitet haben“, gesteht der Bürgermeister: „Wir haben gleich zu Beginn die Zusammenarbeit mit dem Innsbrucker Alpenzoo gesucht, weil wir kein­e Steinböcke aus der Natur entnehmen und einfangen wollten. Diese Tiere stammen ursprünglich aus dem Zoo in Augsburg und haben sich das letzte halbe Jahr im Alpenzoo als Gruppe mit zwei Jungtieren auf das Pitztal vorbereitet. Ein Kitz ist erst eine Woche alt. Jetzt kann sich die Gruppe an die neue Umgebung und das mit 3800 m2 großzügig bemessene Steinwildgehege am Schrofen gewöhnen“, verrät Haid.

Während sechs der sieben Tiere mit großen Sprüngen das 3800 m2 große Schaugehege erkundeten, ließ sich „Klein Elmar“ weder von Fotoapparaten noch von Filmkameras oder Schaulustigen abschrecken und genoss seinen großen Moment im Rampenlicht.
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Als „Medienstar“ hat sich ein junges, männliches Steinbockkitz erwiesen. Mit „Klein Elmar“ hatte das Kitz auch gleich seinen Spitznamen weg, denn anstatt sich wie sein Geschwisterchen mit großen Sprüngen ins Gehege zu verabschieden, inspizierte es neugierig die Gruppe an Eingeweihten, die bei der Entlassung aus den Transportboxen mit dabei sein durfte.

„Ab Mitte Juli wird das Zentrum schrittweise geöffnet. Als Besonderheit kann man die Barrierefreiheit bis zum ersten Besucherunterstand sowie einen Steig ansehen, der durch das Gehege führt“, zeigt Haid auf.

Ab geht’s ins Gehege: Die Steinböcke sind keine Wildtiere, sondern stammen aus einer Zoopopulation und sind an Menschen gewöhnt.
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Gefördert und finanziert wird das Steinbockzentrum sowohl vom Land Tirol durch das RWP (Regionalwirtschaftliches Programm) als auch durch die EU (Leader). Aber auch der Tourismusverband Pitztal und die Gemeinden steuern Eigenmittel bei, der Naturpark Kaunergrat wiederum Know-how.

Wissenschaftlich begleitet wird das Pitztaler Steinwild weiterhin durch die Experten des Innsbrucker Alpenzoos. „Ich freue mich, dass wir das Projekt neben unserer praktischen Erfahrung nun auch mit sieben Steinböcken unterstützen können“, so Alpenzoodirektor André Stadler: „Unser gemeinsames Ziel ist es, die Alpenfauna der interessierten Bevölkerung näherzubringen, wobei sich das Tiroler Steinbockzentrum im Pitztal auf das majestätische Steinwild konzentriert.“


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