Kufstein zwischen 1900 und 1960: Eine Zeitreise in Buchform

Bei der zweiten Stadtbuch-Edition wird Kufstein zwischen 1900 und 1960 beleuchtet.

Initiator Andreas Falschlunger, Historikerin Gisela Hormayr und BM Martin Krumschnabel (v. l.) mit der zweiten Stadtbuch-Edition.
© Michael Mader

Von Michael Mader

Kufstein – Vor mehr als vier Jahren startete das Geschichtsprojekt der Stadt Kufstein: Auf Initiative des damaligen Gemeinderats der Grünen, Andreas Falschlunger, sollte insbesondere die noch großteils unbekannte Geschichte der Stadt während der Zeit der Nationalsozialisten beleuchtet werden. Bürgermeister Martin Krumschnabel und auch der Gemeinderat sprachen sich damals für eine umfassendere Aufarbeitung der Geschichte der Stadt aus. Nachdem aber alle Details ein neues Kufstein-Buch sprengen würden, wurden die Stadtbuch-Editionen geschaffen. In der ersten Ausgabe befasste sich Arnold Klotz, ehemaliger Stadtplaner von Innsbruck und Wien sowie Vizerektor der Universität Innsbruck, mit der städtebauliche Entwicklung im 20. Jahrhundert.

In der Stadtbuch-Edition Nummer 2, „Zwischen Diktatur und Freiheit“, befasst sich die Kufsteiner Historikerin Gisela Hormayr mit der politischen Geschichte von 1900 bis 1950. Nach einer stabilen Zeit am Beginn des Jahrhunderts erlebte die Stadt die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs, Hunger, wirtschaftliche Krisen und politischen Terror, und war schließlich im Zweiten Weltkrieg von direkten Kampfhandlungen betroffen.

Als Meilenstein bezeichnete Falschlunger bei der gestrigen Präsentation das Buch, für das er jahrelang gekämpft habe, und Krumschnabel sprach von einer tollen und imposanten Lektüre. „Ich bin froh, dass wir dieses Kapitel eröffnet haben. Es gibt Zahlen, Fakten und Daten aus dieser Zeit“, lobt der Bürgermeister.

Laut Hormayr hat sich die Entwicklung in Kufstein in mehreren Bereichen von anderen in Tirol unterschieden: „Die Hungersnot nach dem Ersten Weltkrieg war überall, oder auch die massiven Auswirkungen auf die Weltwirtschaft oder die Zeit nach 1945. Aber Kufstein hatte seine Eigenheiten und das hat auch sehr viel mit der Lage an der Grenze zu tun. Kufstein galt als liberale, fortschrittliche und moderne Stadt.“ So gab es schon 1914 eine evangelische Gemeinde und auch eine Reihe jüdischer Familien. „Unglaublich aufgeschlossen war hier der katholische Dekan Matthäus Hörfarter, der die Alpenvereinssektion gegründet hat und viel im Bildungsbereich und im Fremdenverkehr getan hat“, erzählt Hormayr.

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Kufstein war aber, abgesehen von Innsbruck, auch die erste Stadt, in welcher der Nationalsozialismus Fuß fassen konnte: Schon 1922 habe es eine NSDAP gegeben und zu dieser Zeit seien auch zwei Nationalsozialisten in den Gemeinderat gewählt worden. 1928 seien aber auch zwei Frauen für die Sozialdemokraten im Gemeinderat gewesen und 1919 überhaupt die erste Frau für die neu gegründete Tiroler Volkspartei.

Das Buch wird am 10. Juli um 19 Uhr im Kultur Quartier öffentlich präsentiert.


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